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Im deutschen Reich · 1898-09-01 · Heft 9 (September 1898) · p. 476

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 9 (September 1898)
Article
G. B. Sebnitz
Date
1898-09-01
Page
476 (sequence 2)
Language
German
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476 Zm deutschen Reich. gethan, in der er sich über die aufrührerischen Bauern auf'S Schärfste äußerte, sich mit Heinrich VIII. von England aussöhnte und, durch Wassersucht und politische Zwistigkeiten gepeinigt, nicht mehr derselbe war, wie auf dem Reichstage zu Worms. In voller Manneskraft schrieb er: „Die Juden sind die Kinder der Verheißung", „Die Juden sind des Geblüths halber die Edelsten auf Erden", „Wir haben das Volk lieb, es hat fürtreffliche Männer gehabt", „Wir sollten die Juden nicht so unfreundlich behandeln" u. A. m. N a p o l e o n I. hat sich wiederholt über di« Juden gehässig geäußert; der launenhafte Imperator behandelte sie nicht bester als Andere, denen er erst Geschenke und später Scheltreden gab. Er hat aber doch das Sanhedrin berufen und den Juden in der Armee Ehrenstellen eingeräumt. Fichte war nicht frei von den Vorurtheilen seiner Zeit. Wenn er den Juden Menschenrechte zugestand, hätte er ihnen als logischer Denker auch Bürgerrechte nicht versagen dürfen. Den Christen, die menschlich dachten (wie z. B. Lessing), haben die Juden stets nicht nur volle Menschenrechte zugestanden, sondern dankbare Verehrung gewidmet. Herder hat diesen uns empfindlich berührenden Ausspruch thatsächlich in den „Ideen zur Philosophie der Geschichte der Menschheit" nur über seine Zeitgenossen gethan, in demselben Buche aber auch gesagt: „Es wird eine Zeit kommen, da man in Europa nicht mehr sagen wird, wer Jude oder Christ ist, denn auch der Jude wird in europäischen Gesetzen leben und zum Wohle des Staates beitragen." Goethe's Ausspruch ist nur halb citiert, der Nachsatz (in Wilh. Meister's Wanderjahren Kapitel 2 des zweiten Buches) enthält eine förmliche Verherrlichung der Selbstständigkeit, Festigkeit und Tapferkeit der Juden. Richard Wagner war nur so lange Antisemit, als er erfolglos mit seinem Wohlthäter Meyerbeer und mit Mendelssohn- Bartholdy rivalisierte. Auf dem Gipfel des Ruhms befreundete er sich innig mit mehreren Juden, dem Kapellmeister Richard Levi, Redakteur Davidsohn u. A. m. Heinrich v. T r e i t s ch k e, der in den Preuß. Jahrbüchern (Nov. 1879) diese Worte „verbrach", hat anderseits Lessing's „Nathan" als das „Evangelium der Duldung" gepriesen und eine Schmälerung der Emanzipation als einen „Abfall von der guten Tradition unseres Staates" scharf zurückgewiesen.

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