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Im deutschen Reich · 1898-09-01 · Heft 9 (September 1898) · p. 474

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 9 (September 1898)
Article
D. O. Berlin
Date
1898-09-01
Page
474 (sequence 2)
Language
German
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474 Im deutschen Reich. und Energie entgegenarbeiten. Die Klagen der christlichen Geistlichen über die zunehmende Sittenlosigkeit, welche in letzter Zeit wiederholt laut geworden sind, beziehen sich auf christliche nicht auf jüdische Kreise! Der mit Recht scharf gerügte Leichtsinn, die durch Putzsucht und Genußsucht geförderte Sittenverwilderung werden dadurch' nur in immer weitere Kreise getragen, daß gewisse Blätter als „Organe für Nöthigung und Erpressung" mit Vorliebe die Partei der Halbwelt gegen die Besitzenden nehmen und ihre Leser beständig dazu verleiten, den Splitter im Auge des Nächsten zu suchen, statt diejenigen dicken Balken zu beseitigen, die am Ende des Jahrhunderts auch in nichtjüdischen Kreisen oft genug zu finden sind. L. N. Berlin. Sie vermuthen richtig, daß wir den persönlichen Angriffen gegen den Reichskanzler anläßlich der Ausweisungen polnischer Juden aus Frankfurt a. M. ganz fern stehen. A. B. Berlin. „Eine schöne Suppe hat sich der Reise-Jude des „Berliner Tagebl.", E. Wolfs, eingebrockt." — So schreibt Dr. Sigl in seinem „Bayr. Vaterland". Dazu bemerkt die „Volks- Zig.": „Herr E. Wolfs ist aber ein bayrischer Katholik, gerade wie D r. S i g l." M. L. Posen. Di« Artikel des „Poschp" sind meist nur Uebersetzungen aus deutschen Antisemiten-Blättern letzten Ranges mit geringen Zusätzen, die dem Geschmack des Posttzp-Leserkreises angepaßt sind und stets die Tendenz haben: „Kauft bei unser» Inserenten!" Bedeutung hat das Blatt kaum noch, seit polnische Blätter zwei Schreiben des Erzbischofs von Stablewski veröffentlicht haben, die am 3. Dezember 1896 und am 5. September d. I. gegen den polnisch-antisemitischen „Post^p" gerichtet wurden. In dem ersten Schreiben wird das Blatt zur Mäßigung in seinen Angriffen gegen Kirche und Bischöfe ermahnt, im zweiten wird ihm bescheinigt, daß es aufgehört habe ein katholisches Blatt zu sein. R. Braunsberg. Die von der „Ermländischen Zeitung" vom 31. August gebrachte Notiz kann uns nicht beleidigen. Wenn wir jeden, der „jüdische Gefühle verletzt", dem Staatsanwalt anzeigen wollten, hätten wir viel zu thun! Wir sind zufrieden, wenn der Staatsanwalt es nicht ruhig zuläßt, daß den Juden gegenüber grobe Rechtsverletzungen gewagt werden. Die ultramontane „Ermländische Zeitung", welche auch eine Minorität vertritt und deren Gefühle gewiß nicht verletzt sehen will, sollte für unser Wirken etwas mehr Verständniß zeigen.

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