Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 9 (September 1898)
- Article
- E. M. Berlin
- Date
- 1898-09-01
- Page
- 473 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Briefkasten der Redaktion. 478 Die betheiligten Herren haben dem Vernehmen nach davon abgesehen, der „Deutschen Tageszeitung" die gleiche Berichtigung zu senden, weil die nur in diesem Blatte der Notiz Vorgesetzte Spitzmarke „Im Iudensold" es ihnen unmöglich machte, zu der betreffenden Redaktion in irgendwelche Beziehungen zu treten. G. C. Berlin. Wenn Redakteur Böckler in der am 1. September vom Wahlverein Berlin der deutsch-sozialen Reformpartei veranstalteten Versammlung das ganze Judenthum für die glücklicherweise seltenen Versuche einzelner Juden, sich ihrer angestammtenNamen zu ent äußern, verantwortlich machte, so ist das offenbar eine arge Uebertreibung. Sie kennen ja die bekannte antisemitische Maxime, alle Juden für Handlungen eines einzelnen Glaubens- oder auch nur Stammesgenossen verantwortlich zu machen. Wir haben im Uebrigen gar nichts dagegen, wenn solche Namensveränderungen künftig erschwert werden, denn von den alten Weisen wurde der Fortbestand des JudenthumS wesentlich darauf zurückgeführt, daß die Juden ihre Namen nicht änderten, und ihre Abstammung nicht verleugneten. Herr Budde geht uns nichts an; er soll schon, als er von Meinersen nach Schivelbein zog, nicht mehr Jude gewesen sein. - Ihre Befürchtung, daß bei künftigen Ausgaben des herrlichen Werkes „Phädon" Moses Mendelssohn's Namen in „Max Budde" verwandelt und bei Ankündigungen der Aufführung des „Sommernachtstraums" der Komponist als „Budde-Bartholdy" angegeben werden könnte, ist jedenfalls unbegründet. Nach der Laubhardt'schen Sache haben wir uns nicht erkundigt; wir überlaffen es Herrn Zahnarzt Strumpf, sich in Zehlendorf zu orientieren. D. O. Berlin. Das in dem „General-Anzeiger" vom 4. September veröffentlichte Schreiben des Herrn Ulrich, Rechtsanwalt und 2. Vorsitzender des Berliner deutsch-konservativen Wahlvereins wird Niemand zum Judenfeind machen, der es nicht schon ist. Wenn die ganze Zoologische-Garten-Geschichte nicht nur ein Märchen ist, welches dem 2. Vorsitzenden des Berliner deutsch-konservativen Wahlvereins von einem Hetzer aus einem antisemitischen Eldorado, in dem zu verkehren er sich nicht scheut, gelegentlich aufgebunden wurde, dann müßte er sich wenigstens sagen, daß eS unter Christen wie unter Juden unreife Buben giebt, die zu frechen Renommistereien fähig sind. Er hätte aber auch wissen müssen, daß es unter jüdischen Müttern keine einzige giebt, die solche frechen Reden ruhig anhören würde, wohl aber sehr viele, die den sittlichen Gefahren, denen ihre Heranwachsenden Söhne in der Großstadt beständig ausgesetzt sind, mit aller Sorge 38*