Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 9 (September 1898)
- Article
- L. M. Berlin
- Date
- 1898-09-01
- Page
- 471 (sequence 1)
- Language
- German
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471 Briefkasten der Redaktion. L. M. Berlin. AIS eine Blüthe des „Geschäftsantisemitismus" ist folgende Notiz zu betrachten, die kurz vor dem jüdischen Neujahrsfeste in zahlreichen Antisemitenblättern veröffentlicht wurde: „Viele Deutsche möchten eS vermeiden, in jüdischen Geschäften zu kaufen, klagen aber beständig, eS sei so schwer, festzustellen, welch« Geschäfte in jüdischen Händen sind. Dazu bietet nun daS j ü d i s ch e Neujahrsfest am- 18. und 19. September di« beste Gelegenheit, denn jeder, selbst der weniger strenge Jude, pflegt an diesem Feste sein Geschäft zu schließen. Wer also in Bezug auf seine Lieferanten zweifelhaft ist, mustere am 19. September (der 18. ist ein Sonntag) ihre Läden und merke sich, welche derselben etwa geschloffen sind. Wie der einzelne, dürfen sich auch die antisemitischen Vereine, besonders die, welche ein Weihnachtsflugblatt herauszugeben beabsichtigen, diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Wiederholt sind in solchen Flugblättern irrthümlich Geschäfte als jüdisch bezeichnet worden, was dann die Juden benutzten, um durch ihren Centralverein die betreffenden christlichen Geschäftsleute, soweit sie sich dazu hergaben, aufzustacheln, gegen die Herausgeber der Flugblätter Prozesse anzustrengen. Dies wird vermieden, wenn die Vereine in verjudeten Orten am 19. September einen geordneten Heber» wachungSdienst einrichten, sich die Geschäftsstraßen in einzelne Bezirke eintheilen und durch Patrouillen feststellen lassen, welche Läden geschloffen sind. Es genügt, das Ergebniß dieser Ermittelungen durch Flugblätter zu verbreiten, um so manchen; Deutschen klar zu machen, ivo er zu kaufen hat und wo nicht." — Wir wollen nicht unterlassen, darauf aufmerksam zu machen, daß die Antisemiten einen Tag früher aufstehen müssen, um mit ihren Recherchen Erfolg zu haben. Die antisemitischen Patrouillen werden gut thun, sich am 19. September nach den jüdischen Geschäften zu bemühen, um sich zu überzeugen, wie deren Kundschaft den Geschäftsleuten, Welche ihrer religiösen Ueberzeugung willig eine Tageseinnahme opfern, mehr Achtung und Vertrauen zollt, als den Spähern antisemitischer Jnseratensänger und jenen irregeleiteten Gewerb- 3ö