Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 9 (September 1898)
- Article
- Basel
- Date
- 1898-09-01
- Page
- 467 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 467 Dr. Bodenheimer dem Kongreß eine Resolution vor, welche auf folgende Hauptpunkte hinauslief: Die jüdische Kolonialbank steht unter der Aufsicht einer vom Zionistenkongreß eingesetzten Korporation und hat die Aufgabe, landwirthschaftliche Unternehmungen, sowie industrielle Etablisiements im Orient zu schaffen und Konzessionen für Bahnbau, Bergbau, Hafenanlagen und Handelsmonopole zu erwerben. Vorläufig ist die Bank berechtigt, ihre Mittel in rentablen Unternehmungen derart zu verwenden, daß sie nicht auf längere Zeit festgelegt werden, wobei Spekulationsgeschäfte grundsätzlich ausgeschlossen sind. Die Bank soll ein Kapital von 2 Millionen Pfund Sterling haben, welches in Shares k 1 Pfund Sterling eingetheilt ist. Der Sitz der Bank ist in London. — Es entbrannte eine lebhafte Debatte, schließlich wurde der Antrag der Bankkonferenz mit großer Mehrheit en bloc angenommen. Die am Abend fortgesetzten Berathungen betrafen im Wesentlichen Organisationsfragen und boten kein größeres Interesse. (Die „Jüdische Presse" schließt eine Betrachtung über den Verlauf desKongresses mit den Worten: „Wenn wir unsere Auffassung resümieren, so scheint uns die Gefahr, daß die große zionistische Bewegung, die unzweifelhaft vorhanden ist, in eine Richtung nach dem Herzlichen „Judenstaat" auslaufen könnte, so ziemlich beseitigt. Der Zionismus stellt sich vielmehr jetzt als eine Richtung dar, die mit der auf möglichst großer, nationaler Grundlage durchgeführten Kolonisation eine Erziehung des jüdischen Volkes, besonders im Orient, verbinden will. Diese Bestrebungen können sehr nützlich sein; sie können ungeschickt geleitet auch Schaden anrichten, aber prinzipiell gefährlich und deshalb absolut zu bekämpfen, wie der Judenstaat-Gedanke, dürften sie jetzt nicht mehr sein." — Wir beurtheilen die Sachlage nicht ganz so optimistisch, denn die besonnenen Elemente sind in Base! überstimmt worden, um nur nicht die Errichtung der „Zionistenbank" zu verzögern. Ueber die betreffenden Zeichnungen spricht sich die „Jüdische Presse" selbst nicht sehr vertrauensvoll aus. Es ist dringend zu wünschen, daß die deutschen Juden, ihrer im Grunde wahrhaft deutsch-nationalen Gesinnung getreu, sich nicht blenden lassen, und nicht in falsch angewandter Wohlthätigkeit Bestrebungen unterstützen, deren weitere Entwickelung noch niemand klar sehen kann. Die Redaktion.) Budapest, 4. September. Ueber einen drolligen Zwischenfall, der sich kürzlich bei einer Gerichtsverhandlung in Ungarn ereignete, wird dem „Pester Lloyd" Folgendes mitgetheilt: Auf die Bemerkung des Staatsanwalts, daß der Vertheidiger sich mehr Rechte vindiziere, als ihm zuständen, erwiderte der Anwalt, er besitze genau