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Im deutschen Reich · 1898-09-01 · Heft 9 (September 1898) · p. 465

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 9 (September 1898)
Article
Frankfurt a. M.
Date
1898-09-01
Page
465 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 485 Ende vorigen und Anfang dieses Jahres wurden hiesigen Einwohnern anonym« antisemitische Schmähschriften geschickt; auch wurde mit gefälschten Bestellkarten Unfug getrieben. Ferner wurden Briefe aus den Kästen der P r i v a t p o st entnommen, mit antisemitischen Drohungen versehen und in die Brieflästen zurückgelegt, außerdem etwa lausend Bürgermeister-Aemtern des Deutschen Reichs unfrankierte Briefe mit antisemitischen Drohungen zugeschickt. Mitte dieses Jahres ging einem hiesigen Pfarrer eine Schmähkarte der gedachten Art aus einem sächsischen Orte in der Nähe von Pirna zu. Diese Karte ermöglichte die Fe st nähme des ThäterS. Ob der geständige Verhaftete, der ein geborener Frankfurter ist und bis zu diesem Frühjahre mit seiner Familie hier gewohnt hat, geistig völlig normal ist, muß die eingeleitete Untersuchung ergeben." — Der „Pirnaer Anzeiger" theilt mit, daß der Verhaftete der in einer Niedersedlitzer Fabrik angestellte technische Zeichner Sauer ist. n Leipzig, 2. September. Ueber eine am 26. v. M. hier abgehaltene Schöffengerichtsverhandlung berichteten di« „Leipziger Neuesten Nachrichten": „Ein jüdischer Händler kam in das K.'sche Restaurant in der Blücherstraße, um dort seine Maaren anzubieten. Aus dem Lokale ertönten ihm sofort die Rufe: „Raus mit dem Juden!" und andere höhnische Worte entgegen. Der Händler wollte sich eben aus dem Restaurant entfernen, als ihm der mehrfach vorbestrafte Arbeiter Eduard Heinrich St., der sich durch höhnische Zurufe besonders hervorgethan hatte, in den Weg trat und ein Paar Schnürsenkel verlangte. Der Händler, der nicht länger zur Zielscheibe roher Späße dienen wollte, flüchtete mit seinem Korb, als sich St. schnell an die Thür setzte und seine Beine gegen dieselbe stemmte, so daß der Händler nicht hinaus' und nicht herein konnte. In dieser schmerzhaften Klemme blieb er längere Zeit, gekränkt und verhöhnt von St. und den übrigen Gästen. Von den letzteren griff einer sogar in den Korb, anscheinend in der Absicht, dem Juden Angst zu machen. Dieser applizierte ihm dafür einen Klaps mit feinem Metermaß. Schließlich kippte der Korb des Hundelsmanns um und die Waaren fielen auf das Trottoir. Der arme Mensch, welchen St. endlich losgelassen hatte, fing zu weinen an; es ^bildete sich ein Auflauf, und mitleidige Personen halfen dem Händler die Waaren in den Korb legen, wobei manches verdorben und zertreten wurde. Zugleich intervenierte die Polizei. Von dieser erhielt St. wegen groben Unfugs eine fünftägige Haft strafe zudiktiert, gegen welche er richterliche Entscheidung beantragte. Mit Rücksicht auf die

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