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Im deutschen Reich · 1898-09-01 · Heft 9 (September 1898) · p. 464

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 9 (September 1898)
Article
Hamburg
Date
1898-09-01
Page
464 (sequence 2)
Language
German
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464 3m deutschen Reich. die Anwesenheit des Juden nicht bemerkt habe, sonst hätte derselbe den Juden mit seinen dreißig Pfennigen Eintrittsgeld Hinausweisen müssen. Ich lasse die Bemerkungen, die bei dieser Gelegenheit über den Vorstand gemacht worden sind, unberücksichtigt; denn sie wie eigentlich auch der ganze Artikel richten sich selbst. Angesichts aber der Thatsache, die jedem älteren Cuxhavener bekannt ist, — der Herr „Cuxhavener" scheint noch wenig mit den hiesigen Verhältnissen bekannt zu sein — daß hier in Cuxhaven stets ein sehr gutes Verhältniß zwischen den jüdischen und den christlichen Bürgerfamilien geherrscht hat und daß die Juden sich an sehr vielen Veranstaltungen christlicher Nächstenliebe — auch an diesem Bazar — opferwillig betheiligt haben und angesichts der geradezu rohen Handlungsweise, die dem Vorstande zugemuthet wird, fühlt sich derselbe gezwungen, ein paar Worte an den Herrn „Cuxhavener" zu richten. Der Vorstand hätte, selbst wenn von den Juden nichts zu dem Bazar beigesteuert wäre, absolut gar kein Recht, irgend einen sich anständig benehmenden Menschen, welcher Konfession er auch sei, hinauszuweisen, es haben sehr viele Juden, es haben auch Katholiken, vielleicht auch Atheisten den Bazar besucht, und es ist keinem einzigen Mtgliede des ^allgemeinen Vorstandes und ich bin fest überzeugt, auch keiner einzigen Dame des Damenkomitees eingefallen, sich auch nur das Geringste dabei zu denken. Viele Lutheraner wohnen in katholischen Gegenden dem katholischen Gottesdienst bei, ich habe aber nie gehört, daß einer derselben von den dortigen Aufsehern hinausgewiesen ist; ich weiß, daß Juden bei Trauungen und Konfirmationen lutherischer Kinder anwesend gewesen sind, ja im ersteren Falle vor dem Mare gesessen haben, ich habe nie gehört, daß ein protestantischer Geistlicher dariiber etwas gesagt hat. Viele Christen besuchen die Synagogen, sie werden nicht hinausgewiesen. Und wir sollten Juden, die den Bazar besuchen, hinausweisen? Die Mitglieder des Vorstandes sind alle gute Christen oder bestreben sich wenigstens, solche zu sein und immer mehr zu werden; eine Z u m u t h u n g, wie sie der Herr „Cuxhavener" an sie ste llt, miissen sie aber gerade deshalb, weil sie gute Christen sein wollen, auf das Entschiedenste z u r ü ck w e i s e n." Im Namen des Vorstandes Dr. Ernst P a t o w. Cuxhaven, den 23. August 1698. Frankfurt a. M., 1. September. Die „Frankfurter Ztg." berichtete: „Der antisemitische Anonymus erwischt.

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