Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 8 (August 1898)
- Article
- O. B. Thorn
- Date
- 1898-08-01
- Page
- 417 (sequence 2)
- Language
- German
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- Zittau 1× ep/1046085
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Briefkasten der Redaktion. 417 mal inOed«ran in Sachsen und bei dem letzten Pfingstschießen zu Reichenau bei Zittau ein jüdischer Einwohner Jacob Haller die Würde eines Schützenkönigs erlangt, ohne daß man in dem Eldorado der Antisemiten, dem Königreich Sachsen, daran Anstoß genommen hätte. S. S. Deutsch-Krone. Das dort vor den Reichstagswahlen von den Freunden des Herrn Hans von Mosch verbreiteteFlu gb l att haben wir ad aota curiosa gelegt. Die Behauptung, daß «S keine jüdischen Maler, Maurer, Schlosser, Dienstmädchen u. s. w. giebt, ist längst durch die Berufsstatistik zisfermäßig widerlegt. Das Bedauern des Verfassers, daß es keine jüdischen Ammen «giebt, erscheint etwas auffallend, entzieht sich aber selbstverständlich der Erörterung. Wenn in dem Flugblatt gesagt wird, die Beschäftigung der Juden sei „fast ausschließlich Schachern und Handeln", dann dürste es doch den Juden kaum möglich sein, „auch den Rechtsanwalt-, Lehrer¬ und Aerztestand zu überschwemmen". Die Aeußerungen, daß die Juden „das ganze Zeitungswesen beherrschen", daß sie „ungeheure Neichthümer zusammengebracht haben", sind ebenso charakteristisch für den Urheber dieses antisemitischen Flugblattes, der niemals einen Zeitungskatalog gesehen und keine Ahnung davon zu haben scheint, wie viele völlig mittellose Juden auf die Wohlthaten einer verhältnißmäßig geringen Zahl begüterter Glaubensgenossen angewiesen sind, und wie schwer der Kampf um's Dasein ist, den jetzt die große Mehrzahl der deutschen Juden zu kämpfen hat. Der Verfasser dieses widersinnigen Hetzflugblattes gehört nicht auf die Anklagebank, sondern — in eine Kaltwasserheilanstalt. I. L. Pr. Oldendorf. In der geistlichen Sonntags-Betrachtung des Lübbecker Kreisblattes vom 4. Juni haben wir nichts Antisemitisches gefunden. Aehnliche Auslassungen, wie das von Ihnen als antisemitisch beurtheilte Citat, welches die Verzweiflung eines jüdischen Patrioten über den Sturz seines Vaterlandes schildert, finden sich auch im Alten Testament; übrigens dürfte das Citat kaum als eine Anspielung aus die heutigen Juden zu betrachten sein. Wenn der etwas citatensüchtige Verfasser des Artikels sagt, „Paulus habe im tiefsten Falle seines Vaterlandes noch Hoffnung gehabt; so könnten auch die Deutschen noch hoffen", so liegt darin nichts judenfeindliches, denn der Apostel hat ausdrücklich seine jüdische Abstammung betont. Das Kapitel 11 der „Römerbriefe", in welchem er dies thut, fängt mit den Worten an: „Hat denn Gott sein Volk verstoßen? Das sei ferne! Denn ich bin auch einJsraelitevon dem Samen Abrahams, aus dem Geschlechts Benjamin-" Ihr Mißverständniß ist offenbar