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Im deutschen Reich · 1898-08-01 · Heft 8 (August 1898) · p. 416

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 8 (August 1898)
Article
D. L. Berlin
Date
1898-08-01
Page
416 (sequence 2)
Language
German
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416 Im -eutschen Reich. verbreiteten Gerüchten die Spitze zu bieten, erkläre ich hiermit auf Ehrenwort, daß ich niemals der antisemitischen Partei angehört und mich auch nie mit den Tendenzen identifiziert habe. Ern st Klapk a." A. C. Posen. Ueber die prunkvolle Prozession, welche am 17. Juli d. IS. zur Erinnerung an die im Jahre 1370 gestohlene Hostie und daS darauf erfolgte Blutwunder in Brüssel unter militärischer Begleitung veranstaltet wurde, schrieb die „Frankfurter-Ztg.": „ES ist, wie di« „Jndöpendance belge" ausführt, erwiesen, daß 1370 nur ein Hostien, diebstahl sich ereignete; von der Wunder-Zuthat wissen selbst solche Chronisten nichts, die sehr wundergläubig waren. Wirklichkeit ist die grausame Verfolgung der Juden, die nach dem Berichte deS gleichzeitigen Chronisten Gottfried de la Tour beschuldigt wurden, sich in böser Absicht geweihte Hostien verschafft zu haben. Erst später pfropfte die Kirche auf diesen Vorgang ein Wunder und machte daraus eine Legende, gerade wie an anderen Orten auch. Die blutende Hostie ist nämlich keine Wunder-Cigenthümlichkeit von Brüssel. Professor Errera von der sreien Universität Brüssel hat sogar im Jahre 1890 das Wunder nachgemacht, indem er vor seinen Zuhörern blutende Hostien produzierte. Ein kleiner Pilz, der wioroeooous xroäixwsus (derselbe wurde zuerst von dem kürzlich in Breslau verstorbenen Botaniker Ferdinand Cohn entdeckt) entwickelt sich nämlich auf den Hostien und bildet zuweilen rothe Flecken. Bezüglich des Wunders in Brüssel selbst hat der dortige Magistrat schon 1581 erklärt, es lägen urkundliche Beweise vor, daß eS sich weder um eine Verletzung noch um ein Bluten handle. Das Alles kümmert die Kirche nicht, sie hält an der Legende fest. 1870 wollte sie das fünfhundertjährige Gedächtniß des Wunders feiern, allein der Zorn Brüssels über das Unterfangen war so groß, daß die Klerikalen den Plan aufgaben. Am Sonntag haben sie ihre Revanche gehabt." O. B. Thorn. Das Verhalten der Gnesener Schützengilde, welche einem jüdischen Kaufmanns die Aufnahme deshalb versagte, weil sie sich nicht der Gefahr aussetzen wollte, einmal einen „jüdischen Schützenkönig" zu erhalten, wird von.Ihnen ganz richtig beurtheilt. Die von uns bereits erwähnte Schützengilde in Bruchsal, welche dieser entsetzlichen Gefahr muthig trotzt, steht keineswegs vereinzelt da. In Quakenbrück errang am 27. Juni der jüdische Schlächtermeister Vorsänger die Königswürde, was allerdings einen Korrespondenten des Stöckerblattes „Volk" auf's Tiefste kränkt. Vorher hatte aber schon eines unserer Mitglieder ein-

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