Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 8 (August 1898)
- Article
- S. Br., Berlin
- Date
- 1898-08-01
- Page
- 414 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
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414 Briefkasten der Redaktion. S. Br., Berlin. Was der bekanntlich selbst von Juden stammende Redakteur der antisemitischen „Libre parole“, EduardDrumont, in seinem Buche „La France jnive“ (S. 530) über Gambett a' s Abstammung sagt, dürfte immerhin trotz der Verwandtschaft mit einem Abbö richtig sein: „Zur Zeit der Kontinental - Sperre ließ sich ein württembergischer Jude A. G a m - berlö in Genua nieder, machte Kaffee- und Schmuggelgeschäfte, heirathete eine genuesische Jüdin, und italienisierte seinen Namen, indem er sich Gambetta nannte. Sein Sohn oder sein Enkel kam nach Frankreich, ließ sich in Lahors nieder und gab uns den großen Mann, der weder in der Ausdrucksweise noch sonst etwas Französisches an sich hatte. Der Verfasser der „Hundert Sonette" sang deshalb Est-11 Hebreu, Genois, Illyrien, Dalmate, Italien, Boheme, Hellöne ou Prussien? D’oii vient-il? Entre-nous, lui-morae n’en sait rien. Auf deutsch: Ist Jude, Genuese, Dalmatiner er? Kam aus Illyrien, Böhmen, Griechenland er her? Sah in Italien oder Preußen er zuerst das Licht? Nun, unter uns gesagt; er selber weiß es nicht!" G. M. Berlin. Wenn die Sache sich wirklich so verhielte, würde sie sicherlich weitere Folgen für den Betreffenden haben. Bemerkenswerth ist dabei die wunderbare Ehrlichkeit der „Deutschen Tageszeitung": Was ein einzelner Berliner Jude in Pontresina gesagt hat, oder gesagt haben soll, ist für sie Kennzeichen für die Gesinnung vieler Tausende. Sollte es der Redaktion der „Deutschen Tageszeitung" unbekannt sein, daß manche ihrer Freunde noch härtere llrtheile über Bismarck ausgesprochen haben? D. B. Berlin. Die Aktiv-Legitimation ist in ähnlichen Fällen wiederholt bestritten worden, indessen liegt jetzt ein Präzedenz-Fall vor, deffen Tragweite nicht zu unterschätzen ist. Am 25. Mai d. I. hatte sich der antisemitische Abgeordnete Otto Hirsche! vor der Strafkammer zu Frankfurt a. M. wegen Beleidigung der Richter des dortigen Landgerichtsbezirks zu verantworten. Unter der Spitzmarke „Jüdische Richter" hatte der als verantwortlicher Redakteur zeichnende