Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 8 (August 1898)
- Article
- Saaz
- Date
- 1898-08-01
- Page
- 409 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 409 H: Saaz, 4. August. Der hiesige antisemitische Redakteur Edmund P ummer entging der ihm wegen öffentlicher Gewaltthätigkeit zuerkannten viermonatlichen Kerkerstrafe durch die Flucht nach Deutschland. Jereinsnachrichte«. t ie sommerliche Stille hat sich diesmal in der Thätigkeit des Central- VereinS später als sonst sühlbar gemacht, denn wenn auch in der warmen Jahreszeit keine Zusammenkünfte veranstaltet wurden, trat an den Verein doch die gebieterische Nothwendigkeit heran, angesichts der durch die Reichtagswahlen für ein ganzes Jahrfünft erfolgenden Entscheidung^ auf der Wacht zu stehen. Er konnte und durfte dabei für keine einzelne politische Partei eintreten; er mußte es jedem einzelnen Vereinsmitglied frei stellen, als deutscher Staatsbürger seine persönliche politische Ueberzeugung bei den Wahlen zum Ausdruck zu bringen, aber er fühlte sich verpflichtet, Abwehr zu üben, wo irgend die Berufung eines entschiedenen Judengegners in die gesetzgebende Versammlung zu befürchten stand. Wo dies der Fall war, ließ der Vereinsvorstand alle Glaubensgenossen auffordern, „unter allen Umständen durch Ausübung des Stimmrechts gegen den antisemitischen Kandidaten der Ehrenpflicht zu genügen, dazu beizutragen, daß der Gegner des Antisemiten gewählt werde". Daß diese Anregung, welche nicht nur an unsere Vereinsmitglieder, sondern an alle Glaubensgenossen gerichtet war,- nicht wirkungslos geblieben ist, betrachten wir als eine hocherfreuliche Erscheinung. Als dann sich ergab, daß in einer ungewöhnlich großen Anzahl von Wahlkreisen Stichwahlen nöthig wurden, hielt es der Vereinsvorstand für geboten, dem von Tausenden von treuen Anhängern in ihn gesetzten Vertrauen dadurch zu entsprechen, daß er ihnen Gewißheit über die Stellung der Stichwahl - Kandidaten zur Judenfrage verschaffte. So weit dies bei dem späten Bekanntwerden und den zum Theil recht unsicheren Meldungen der Wahlergebnisse möglich war, versandte er an die Stichwahl - Kandidaten folgendes hektographierte Schreiben: „Sehr geehrter Herr! Mit Rücksicht auf die bevorstehende Stichwahl ersuchen wir Sie ganz ergebenst um gefällige umgehende Mittheilung, ob