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Im deutschen Reich · 1898-06-01 · Heft 6-7 (Juni 1898) · p. 362

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 6-7 (Juni 1898)
Article
[Ohne Titel] / F.
Date
1898-06-01
Page
362 (sequence 2)
Language
German
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362 3m deutschen Reich. jüdischer Knabe, der in demselben das erwähnte Zeugniß erlangt hatte, wurde in einem Lehrlingsheim ausgenommen und trat unter sehr günstigen Verhältnissen bei einem Handwerksmeister in die Lehre. Aus dieser ist er aber schon nach 8 Tagen mit der übermüthigen Erklärung abgegangen, daß diese Art der Arbeit keine seinem Geiste entsprechende sei. Dieses Beispiel giebt zu denken und sollte manche Eltern davor warnen, nicht auf die Erlangung eines solchen Zeugnisses zu großen Werth zu legen. Die jetzt in allen Volksschulen zu erwerbende, gründliche Bildung wird für die meisten nichtgelehrten Berufe vollständig genügen. Wer entschlossen ist, seinen Knaben dem Handwerk zuzuführen, der lasse ihn vor allem am Handfertigkeitsunterrichte theilnehmen, der besonders geeignet ist, Liebe für das Handwerk zu erwecken. Zum Handwerk muß man erzogen werden, denn dazu gehört ein fester Wille, rastlose Arbeitslust und insbesondere Folgsamkeit und Ehrerbietung gegen Höherstehende, z. B. gegen Gesellen und Meister. Zum Kunsthandwerk bestimme man nur solche Knaben, die durch besondere Gaben, wie z. B. durch Zeichentalent, hervorragende Befähigung für dasselbe zeigen. Die meisten leichteren Handwerke sind überfüllt und bieten deshalb geringe Chancen. Ein kräftiger Knabe kann und soll ein Handwerk erlernen, welches Stärke erfordert; er wird als Schlosser, Maurer, Töpfer, Bautischler, Brunnenmacher oder Zimmermann bei Ausdauer, Fleiß und Sparsamkeit sein gutes Brod finden. Gerade in solchen Berufen haben jüdische Handwerker bisher fast ausnahmslos treffliche Erfolge erzielt. Zum Schluß möchte ich noch bemerken, daß in kleineren Gemeinden wohnende Eltern gut daran thun, ihre Knaben nach einem großen Orte zu geben, was ärmeren Eltern durch die in diesen Orten bestehenden Wohlthätigkeitsvereine leicht möglich wird. Die Knaben erlangen in einem größeren Orte eine freiere Anschauung und lernen daselbst etwas Tüchtiges. Zudem bestehen in größeren Orten Handwerkerschulen und andere Bildungsanstalten, in welchen die Knaben sich in ihren freien Stunden das theoretische Wissen aneignen, können, welches für einen gebildeten Handwerker erforderlich ist. Für den praktisch und theoretisch richtig ausgebildeten Handwerker, der Lust und Liebe zu seinem Berufe zeigt, hat aber das Handwerk sicher einen goldenen Boden. F. Redaktions-Bureau des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens Berlin NW., Karl-Straße 86 ri. Für die Redaktion verantwortlich: Alphonse Levy, Berlin.

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