Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 6-7 (Juni 1898)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1898-06-01
- Page
- 348 (sequence 1)
- Language
- German
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848 3m deutschen Reich. In dem am 23. Mai dahin geschiedenen Fabrikbesitzer Adolf G i n s b e r g verliert unser Verein ein durch seltene Herzens- und Geisteseigenschaften ausgezeichnetes Mitglied, dessen eifrige, opferfreudige Mitarbeit unser Werk gefördert hat, dessen Verlust wir schmerzerfüllt beklagen, der uns aber als das Muster eines pflichttreuen, gesinnungstüchtigen edlen Glaubensgenossen unvergeßlich bleiben wird. Mit einer wahrhaft fürstlichen Wohlthätigkeit hat er nicht nur in unzähligen Fällen Noth und Elend dürftiger Familien gelindert, Erwerbslosen aufgeholfen und armen Hochschülern die Fortsetzung kostspieliger Studien ermöglicht, sondern sich auch als aufrichtiger Freund einer sehr großen Schaar von Arbeitern erwiesen und in seinen ausgedehnten Fabrik - Etablissements durch Edelsinn und Schaffensfreudigkeit manche Zeitfrage, mit deren Lösung sich bedeutende Theoretiker vergebens abmühen, trefflich praktisch gelöst. In seinen gewerblichen Anlagen fanden Tausende von jüdischen Arbeitern kameradschaftlichen Verkehr mit vielen christlichen Arbeitsgenossen und eine lohnendere Beschäftigung als in anderen früher ihnen zugänglichen, aber neuerdings mehr und mehr erschwerten Erwerbszweigen. Mit wahrhaft väterlicher Fürsorge schuf er für sie Synagogen, Schulen und Krankenhäuser, und wenn einem dieser Arbeiter oder ihren Familien Unrecht zugefügt wurde, trat er unter dem Aufwand seines ganzen Einflusses unerschrocken bei den Großen des Landes für sie ein. Sein Einfluß bei diesen war um so bedeutender, weil er nie etwas .für sich selbst begehrte, vielmehr mit echtem Bürgerstolze beharrlich jede ihm angebotene Auszeichnung zurückwies. Aber nicht nur in seinen Werkstätten und seinen bedeutenden Geschäftshäusern bewährte sich sein lauterer Charakter, seine unbeugsame Ehrenhaftigkeit und fein, kluger Rath, sondern auch in zahlreichen gemeinnützigen und wohlthätigen Vereinen, die einen solchen Mitarbeiter nun schmerzlich vermissen werden. Von der dankbaren Verehrung, welche weite Kreise dem edlen Mann zollten, gab die Trauer bei seinem Hinscheiden, die überaus zahlreiche Theilnahme bei dem Leichenbegängniß Zeugniß. Die weiten Räume des Trauerhauses, in welchem Rabbiner Dr. Maybaum! in ergreifenden Worten die Verdienste des Verblichenen würdigte, vermochte die Maffe der Leidtragenden nicht zu fassen. Ein impo- Z sanier Zug folgte dann dem schlichten Leichenwagen bis nach dem D Friedhofe in der Schönhauser Allee, wo ein christlicher Vertreter ber | 8 Ginsberg'schen Fabrikarbeiter dem trefflichen Fabrikherrn tiefempfundene! 8 Worte des Dankes als Nachruf widmete.