Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1898)
- Article
- G. L. Dresden
- Date
- 1898-05-01
- Page
- 280 (sequence 2)
- Language
- German
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260 deutschen Reich. 10. Mai erwähnte taktlose Inserat in einer Sonntagsbeilage der Wiener „Neuen Freien Presse", welches von allen judenfeindlichen Blättern weidlich ausgebeutet wird, verdient allerdings den herbsten Tadel. ES lautet wörtlich: „Das erste Bulletin vom Kriegsschauplätze wird mit größter Spannung erwartet, darüber ist aber alle Welt schon im voraus einig, daß der Sieg nur dort unausbleiblich ist, wo die unbestrittene Macht des . Paprikas zur Geltung gelangen wird. Wer die unvermischten Freuden eines gesunden Magens und eines in gutpassenden Schuhen sich wohlfühlenden Fußes kennt, der wird das Siegesbewußtsein im Herzen tragen, daß nur ein Weg nach Rom führt, und der geht durch die Walfischgasse. — Wer einmal an dem Tische des Herrn gespeiset, der wird gemeine irdische Kost verschmähen, und wer einmal Paprika und Schuhe vom Paprika-Schlesinger bezogen, der wird niemehr anders Befriedigung suchen und finden. — (Echt Wiener Chic, Eleganz und solider Geschmack in Schuhen und die vorzüglichste Qualität in echt ungarischem Paprika bleibt demnach Vorbehalten dem Schuh - Etablissement und der Paprika - Niederlage von Robert Schlesinger (Paprika-Schlesinger), Wien, Walfischgasse (Palais Todesco)." — Robert Schlesinger hat schon vor einiger Zeit allgemeinen Unwillen durch ein Inserat erregt, welches den von Schuhen und Paprikaschoten umflatterten Wiener Stephansthurm zeigte; seine jüngste Reklame wurde in allen jüdischen Kreisen Wiens als eine grobe Taktlosigkeit und Anstößigkeit verurtheilt. Da derselbe von seinen Glaubensgenossen wiederholt vergeblich ersucht wurde, sich, solcher Reklamen zu enthalten, welche das religiöse Gefühl Andersgläubiger verletzen, gönnen sie ihm eine strengere Zurechtweisung. Auf eine Interpellation der klerikalen Abgg. Kapferer und Genossen entgegnete im österreichischen Parlament der Justizminister, daß die Staatsanwaltschaft schon ohne sein Hinzuthun gerichtliche Erhebungen wegen Verspottung der Einrichtungen einer staatlich anerkannten Religionsgenossenschaft angeordnet habe. — Hoffentlich wird sich künftig überall die Staatsanwaltschaft, auch ohne Hinzuthun des Justizministers, beeilen vorzugehen, wenn Verhöhnungen jüdisch-ritueller Einrichtungen stattsinden, da solche Verhöhnungen dem Vernehmen nach schon vorgekommen sein sollen, ohne eine prompte Verfolgung nach sich zu ziehen. N. A., Wien. Das „Neue Wiener Tageblatt" hat sich durch die Ermittelung des Helfershelfers des Pfarrers von Weinhaus, Tr. I o s e f D e ck e r L, ein wirkliches Verdienst erworben. Der würdige Nachfolger des verschollenen Aron' Brimanus war der Convertit Tr. Lazar Samuel Judawits, Edler von Sülelmed, ein