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Im deutschen Reich · 1898-05-01 · Heft 5 (Mai 1898) · p. 272

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 5 (Mai 1898)
Article
Hannover [Nachricht]
Date
1898-05-01
Page
272 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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272 Im deutschen Reich. Abgeordnete L e u ß ist kürzlich, nachdem er seine Strafzeit verbüßt hat, aus dem Zuchthaus« in Celle entlaffen worden. X Braunschweig, 1. Mai. Anläßlich seiner silbernen Hochzeit ernannt« der Prinz-Regent den Direktor der Samson-Schule in Wolfenbüttel, Dr. Ludwig Tachau, zum Profesior. Gotha, 10. Mai. Die „Deutsch-soziale Reformpartei für das Herzogthum Gotha" hatte sich bereit erklärt, für die Kandidatur Weyerbusch einzutreten, falls sich dieser Kandidat verpflichte, im Falle seiner Wahl keiner Fraktion beizutreten, außerdem aber für den Antrag der Reformpartei auf Verbot der Einwanderung ausländischer Juden zu stimmen. Nach längerem Zögern erklärte aber Herr Weyerbusch, daß er mit Rücksicht auf seine Stellung als freikonservativer preußischer Landtagsabgeordneter es ablehnen müßte, irgend welche bindende Erklärung in der Judenfrag« abzugeben. Daraufhin traten die Vorstandsmitglieder des Deutsch-sozialen Reformvereins für das Herzogthum Gotha, Kartograph Langhans-Gotha, Kammerherr Freiherr v. Wangenheim-Hütscheroda und vr. msä. Weigel-Ohrdruf, aus dem Wahlausschuß für die Kandidatur Weyerbusch aus. -f- Meiningen, 5. Mai. In der zum Wahlkreise Meiningen I gehörenden Stadt Eisfeld fand am 1. d. Mts. eine Wahlversammlung statt, in welcher dem antisemitischen Kandidaten, Redakteur Kurzhals-Suhl, ein Herr D r. G e u e mit großer Entschiedenheit entgegentrat. Der freisinnige Redner, dem Kurzhals „alle Juden in's Haus wünschte, damit er sie satt bekomme," antwortete: „Gern nähme ich alle Juden auf, wenn ich nur Platz dazu hätte; ich wäre dann sicher, eine ehrenwerthe Gesellschaft beieinander zu haben/ was ich nicht sagen könnte, wenn ich lauter Antisemiten zusammen hätte." München» 1. Mai. In einem Artikel des „Bayerischen Vaterland" war wegen eines Ausverkaufs dem Kaufmann Benno Reichenberger unlauterer Wettbewerb vorgeworfen worden. Die Verhandlungen ergaben, daß der Ausverkauf mit der thatsächlich inzwischen erfolgten Geschäftsaufgabe begründet war, daß die Firma, welche in dem genannten Blatt als „Judensirma" bezeichnet war, thatsächlich zu herabgesetzten Preisen verkaufte und gefragte, aber ausgegangene Waaren nicht mehr nachbestellte. Das Gericht verurtheilte bei dieser Sachlage den verantwortlichen Redakteur des „Bayerischen Vaterland", Otto Schoy, zu 70 Mk. Geldstrafe event. 7 Tagen Haft und zur Tragung der Kosten. Dem Kläger wurde außerdem das Recht der Urtheilspublikation im „Bayerischen Vaterland" zugesprochen. ® Würzburg, l. Mai. Wie dem hiesigen „Generalanzeiger" aus Ai a ß l o ch berichtet wurde, ist dort der Versuch gemacht worden.

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