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Im deutschen Reich · 1898-05-01 · Heft 5 (Mai 1898) · p. 270

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 5 (Mai 1898)
Article
Magdeburg
Date
1898-05-01
Page
270 (sequence 2)
Language
German
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270 Im deutschen Reich. christliche Firma Carl Friedrich wegen schwerer Verstöße gegen Treu und Glauben. (Eine Verurtheilung ist erfolgt, aber noch nicht rechtskräftig.)" J, Bütow i. P., 12. Mai. In der „Staatsbürger-Ztg." ist am 6. d. MtS. Folgendes berichtet worden: „In der kleinen pommerschen Stadt Bütow, die von 5500 Christen und etwa 500 Juden bewohnt wird, spielen diese eine verhältnißmäßig bedeutend« Rolle. Daher mag's wohl kommen, daß von den 15 Fleischern, die sämmtlich Christen sind, bisher nur einer nicht geschachtetes Fleisch verkaufte; von den andern wurde mindestens 95 Prozent alles Fleisches geschächtet. Der Bütower Seminardirektor verständigte sich deshalb mit einem Fleischer dahin, daß wöchentlich «ine Kuh für das Seminar geschlachtet und nicht geschächtet werde. Sofort erhob sich ein Wuthgeheul gegen den Seminardirektor. Man forderte die Fleischer auf, sich diesem Boykott nicht stillschweigend zu fügen. Nun sollte man meinen, daß es den Juden ganz gleichgiltig sein könnte, ob die Seminaristen geschachtetes oder geschlachtetes Fleisch essen. Aber der Fleischer zahlt für jedes geschachtete Stück Vieh 4 Mark an die Synagogenkasse, so daß die christlichen Fleischermeister und Fleischesser Bütows die jüdischen Kultusbeamten zum guten Theil unterhalten. Daher die Empörung, daher die Wuth gegen den Seminardirektor!" — Die „Deutsche Tageszeitung" bemerkte hierzu: „Wir müssen gestehen, daß wir solche Zustände bisher für unglaublich hielten. Es ist doch ein selbst für unsere Zeit starkes Stück, daß die Christen gewissermaßen gezwungen werden, geschachtetes Fleisch zu essen und dadurch zu den Synagogenkosten beizutragen. Die Nothwendigkeit des Schächtverbots wird auch durch solche Vorgänge überzeugend bewiesen. Wie lange werden wir noch, einem Aberglauben zu Lieb«, eine grausame Schlachtart dulden, die geradezu einen Schlag ins Gesicht der Kultur bedeutet?" In ähnlicher Weise haben sich das Stöckerblatt „Volk", das Mannheimer „Deutsche Volksblatt" und andere Antisemitenblätter geäußert. Der obige Bericht enthält aber eine ganze Reihe von Unrichtigkeiten. In Bütow existieren nicht 15, sondern nur 10 Fleischer, von welchen 8 ihres eigenen Vortheils wegen rituell schlachten. Ein Wuthgeheul gegen den Seminardirektor hat sich nicht erhoben, weil es den jüdischen Einwohnern Bütows höchst gleichgiltig ist, von wem der Herr Seminardirektor Fleisch bezieht; die Juden waren es deshalb sicherlich nicht, welche in einem „Eingesandt" des „Bütower Anzeigers" vom 28. April d. I. die geschädigten Metzger aufforderten, gegen den vom Seminardirektor Wirbel veranlaßten Boykott vorzugehen.

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