Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1898)
- Article
- Deutsche Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses
- Date
- 1898-05-01
- Page
- 246 (sequence 5)
- Language
- German
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246 Im deutschen Reich. erfrischend und erregend auf mich Wirkte, als diese Beweise dafür, daß die Juden, welche hier freier sind als in irgend einem anderen Lande, mit um so größerer Energie und Hingebung die Ausübung der Wohthätigkeit pflegen und dadurch Zeugniß ablegen für all das Gute, welches in der jüdischen Raffe zu finden ist, wo immer dieselbe auch wohnen mag." Die folgenden Tage verbrachte Lasker mit Vorbereitungen zur Mckreise, um bei der Eröffnung des Reichstages in Berlin anwesend zu sein, und in der Nacht zum Sabbath, am 5: Januar 1884, machte ein Herzschlag seinem Leben ein plötzliches Ende. Im Laufe des Tages sprachen die Freunde und Verehrer des Hingeschiedenen im Sterbehaufe vor, darunter Andreas White, welcher einst als Gesandter der Vereinigten Staaten Nordamerikas in Berlin gelebt, und Karl Schurz, gegenwärtig Gesandter Nordamerikas in Petersburg. Viele Flaggen wurden auf Halbmast gesetzt und viele Geschäfte geschlossen. Der Kongreß des Repräsentantenhauses der Nordamerikanischen Staaten sandte den Ausdruck tiefempfundenen Beileids an den Reichstag in Berlin. Hier in seinem Vaterlande, in der Reichshauptstadt, in welcher er seine letzte Ruhestätte finden sollte, rüstete man sich mit Wehmuth zum Empfang des großen Todten. Ein unabsehbarer Zug geleitete die irdische Hülle Laskers nach der Synagoge in der Oranienburgerstraße und von dort nach dem alten Friedhofe in der Schönhauser Allee. Hier und dort wurde ergreifende Trauerandacht abgehalten, und Worte ehrenden Gedächtnisses wurden dem Hingeschiedenen von den Rabbinern Dr. Frankel und Dr. Maybaum gewidmet. Das Grab Dr. Eduard Laskers befindet sich in der Ehrenreihe auf dem alten Friedhöfe in Berlin, allein sein eigentlicher Ehrenplatz ist in der ersten Reihe der deutschen Volksvertreter jüdischen Bekenntnisses! Tobias Cohn.