Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1898-04-01 · Heft 4 (April 1898) · p. 232

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 4 (April 1898)
Article
L. C. Beuthen
Date
1898-04-01
Page
232 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
chapter
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2316602-2316637-2316642--03944-2322349
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

232 Im deutschen Reich. gekündigt hatte, er sei in der Lage, sämmtliche Waaren 50 Prozent billiger als bisher zu verkaufen, weil er mit seinen Gläubigern einen ZwangSvergleich geschloffen habe. Der abscheuliche Cynismus dieses Inserats fand insofern eine Sühne, als der Inserent, deffen Behauptungen zudem unzutreffend waren, wegen unlauteren Wettbewerbs zu 300 Mk. Geldstrafe verurtheilt wurde. Wenn Sie angesichts der Gewohnheiten der Antisemiten, zu „generalisieren", die Ausscheidung anrüchiger Elemente aus den Synagogen-Gemeinden anregen, so übersehen Sie, daß das maßgebende Gesetz vom 23. Juli 1847 derartiges unmöglich macht. Einer besonderen „Kirchenzucht" bedürfen wir außerdem deshalb nicht, weil die beffergesinnten Glaubensgenoffen einzelnen anrüchigen Elementen gegenüber ihre Verachtung so offen zu zeigen pflegen, daß sie den Andersgläubigen kaum entgehen kann. Je energischer die Mehrheit der Juden solche Selbstzucht übt, desto besser wird sie vor der Solidarität mit der zum großen Glück nur sehr geringen Zahl schlimmer Elemente geschützt sein. C. D., Posen. Die Angriffe des dortigen Antisemitenblattes „ko8tp.x" gegen die gleichnamigen beiden Hechinger Herren sind total widersinnig. Der Vorfall, welcher der angeblichen „Weinprobe" zu Grunde lag, hat sich vor 11 Jahren ereignet und war sehr harmloser Art. Der Dessert-Wein wurde auf besonderen Wunsch eines christlichen Professors herbeigeholt, welcher letztere wußte, daß der jüdische Herr spanischen Wein in seiner nahegelegenen Wohnung hatte. Ernster ist der Hintergrund der zweiten Geschichte, welche einen Eisenhändler betrifft, deffen Aufnahme in die Museumsgesellschast beanstandet wurde, während sein Namensvetter dieser Gesellschaft seit 23 Jahren angehört. Der Eisenhändler würde aber sein Ausnahmegesuch garnicht eingereicht haben, wenn nicht ein angesehener christlicher Freund ihn dazu veranlaßt und sich für die Aufnahme verbürgt hätte. Die beiden alten Klatsch - Geschichten sind offenbar von einem Hechinger antisemitischen Kleeblatt nur deshalb jetzt wieder ausgewärmt worden, um die Spalten der „Deutsch-sozialen Blätter", des „Deutschen Volksboten", des „kost^x" und anderer Blätter ähnlichen Kalibers zu füllen. Die besseren Kreise Hechingen's haben sich ihre Meinung über die Angreifer längst gebildet; dies genügt den Angegriffenen! L. G., Halle a. T. Daß in dem Reichstagswahlkreise Halle- Saalkreis von den Antisemiten der Redakteur des Dresdner Blattes Viktor Hugo Welckeraufgestellt worden ist, dürste den gegnerischen Kandidaten nicht unwillkommen sein. . Die Freunde

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.