Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 4 (April 1898)
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1898-04-01
- Page
- 230 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 100% known words query
- IRI
…/2316602-2316637-2316642--03935-2322347- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
280 Im deutschen Reich. Aufnahme jüdischer Schülerinnen beanstandet hätten, weil eine für die jüdischen Schülerinnen bestimmte Zahl erreicht wäre. Daran knüpfte stch «ine sehr lange, lebhafte Debatte, in deren Verlaufe die Mehrheit der Redner stch entschieden gegen die angeregte Begründung konfessioneller Mädchenschulen erklärte, aber auch wiederholt im Westen bestehende Töchterschulen empfohlen wurden, in welchen jüdische Mädchen gern ausgenommen werden und sich sehr wohl fühlen. Der Vorsitzende wies insbesondere auf diese Thatsache, sowie darauf hin, daß die Aussichten auf Errichtung neuer städtischer Töchterschulen im Westen nicht sehr gute seien, die Errichtung staatlicher Schulen aber kaum wünschenswerth sein würde, falls sich das Gerücht bestätigen sollte, daß die Aufnahme von Jüdinnen in das Lehrerinnen-Seminar der „Augusta-Schule" neuerdings beanstandet worden sei. Der Vorstand werde die Frage der Töchterschulen in ernste Erwägung ziehen, die Vereinsmitglieder möchten aber ihrerseits ihren ganzen Einfluß zu dem Zwecke aufbieten, daß alle jene Anstalten strengstens gemieden würden, in welchen man Jüdinnen nur in bestimmter Zahl und widerwillig aufnehme. Sodann wurden noch mehrere Fälle zur Sprache gebracht, in denen Herr Prediger Becker unter dem Vorwände der „Versöhnung" eine unwillkommene Missionsthätigkeit zu entwickeln versucht hatte. Die vorgerückte Stunde und die vielfach eingetretene Ermüdung veranlaßten die meisten Anwesenden sich zu entfernen, bevor sich das geplante gemüthliche Beisammensein entwickeln konnte, so daß sich dasselbe schließlich nur auf einen kleinen Kreis beschränkte.