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Im deutschen Reich · 1898-04-01 · Heft 4 (April 1898) · p. 226

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 4 (April 1898)
Article
Stuttgart
Date
1898-04-01
Page
226 (sequence 2)
Language
German
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)m deutschen Reich. das Weitere: „Im RathhauSsqal traf er den Bezirkskommandeur I ä ck l e, Bezirkshauptmann Müller und den vom Brigadekommando zur Untersuchung des Falles abgesandten Brigadeadjutanten Kopfs. Es entspann sich nun das folgende Frage» und Antwortspiel: „Kopfs: Sie sind zu einem Rechtsanwalt gegangen? Jäger: Jawohl. Kopfs: Haben Sie eine Bescheinigung über Ihre Dienstbeschädigung bekommen? Jäger: Jawohl, die ist beim Bataillon. I ä ck l e: Wie weiß der Rechtsanwalt Mayer, daß ich Ihnen Arrest gegeben habe? Jäger: Ich Hab' es ihm gesagt. I ä ck l e: So, Sie wollen sich an einen Juden halten? Jäger: Jawohl. I ä ck l e: Pfui Teufel, schämen Sie sich, zum Juden Mayer zu gehen! Ein alter Soldat! Ich will Ihnen sagen, wohin Sie zu gehen haben! So oft Sie zum Juden Mayer gehen, werde ich Sie jedes Mal drei Tage in Arrest stecken. Landjäger! Nehmen Sie den Mann mit auf das Oberamt; der hat drei Tage Arrest". Nach Verbüßung dieser Arreststrafe wurde Jäger alsbald aus's neue dem Bezirkskommandeur I ä ck l e vorgeführt, der in Folge der Vorstellungen Jägers das Bein durch einen anwesenden Stabsarzt untersuchen ließ. Es fand sich, daß es an der Wundstelle zwei Centimeter dicker war als das andere Bein; auch erklärte der Arzt, eS sei deutlich fühlbar, daß der Muskel stark verletzt sei. Nun wandte sich Jäckle an den anwesenden Brigadekommandeur v. B e l o w und wechselte leise mit ihm einige Worte. Darauf bemerkte v. B e l o w zu Jäger: „Sie sind doch instruiert worden als Soldat, wie Sie sich zu verhalten haben. Das haben Sie jetzt davon. Da kann ein Rechtsanwalt nichts machen. So, jetzt können Sie gehn!" Jäger ging, und fein Anwalt erhielt am 11. August die Mittheilung, daß Jägers Bestrafung gerechtfertigt sei." Seit dieser auffallenden Veröffentlichung des „Fränkischen Kurier" scheinen weitere Erhebungen stattgefunden zu haben, denn vor kurzem brachte die „Ulmer Ztg." folgende Notiz: „Der unseren Lesern aus der Entschädigungs-Affäre des Soldaten Jäger von Heidenheim bekannte Oberstlieutenant und Bezirkskommandeur Jäckle ist'in den Ruhestand versetzt worden und hat bereits an der Krönungsfeier nicht mehr in Uniform theilgenommen. Wenn diese Meldung des „S. C. B." sich bestätigt, wird man wohl nicht fehlgehen, die Thatsache mit der bekannten Rede des Herrn Oberstlieutenant und seinem sonstigen Verhalten in der Affäre in Verbindung zu bringen." X Darmstadt, 1. April. Aus. Anlaß seines 40 jährigen Amtsjubiläums erhielt der jüdische Religionslehrer Kantor Oppenheimer das silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmüthigen, welches Geheimrath von Marquardt dem Jubilar persönlich überbrachte.

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