Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 4 (April 1898)
- Article
- München
- Date
- 1898-04-01
- Page
- 225 (sequence 2)
- Language
- German
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Uorrespondenzen. Stellung einnimmt. Der erste war der zum Rath am Oberlandesgericht in Nürnberg ernannte Max Berlin. Lp Würzburg, 12. April. Ein eifriger Mitarbeiter des Wenggfchen Reformparteiorgäns, der antisemitische Reichstagskandidat Dr. Dingfelder in Gnodstadt, welcher wiederholt in Wort und Schrift die derbe Ausdrucksweise Dr. Sigl'S zu kopieren versuchte, sich auch kürzlich erkühnte, eine harmlose schriftstellerische Arbeit der Prinzessin Therese von Bayern für die antisemitische Agitation zu verwerthen, hat vor dem hiesigen Amtsgericht eine schmähliche Niederlage erlitten. Dingfelder hatte einem am Rückenmark leidenden Postbeamten versprochen, ihn zu heilen, und wenn ihm das nicht gelinge, keine Rechnung zu stellen. Der Kranke unterzog sich nun einer Behandlung, die u. A. darin bestand, daß Dingfelder einen Johannissegen über das Bett des Patienten hing, im Urin des Kranken ein Ei sott mit dem Bemerken, daß er dieses Ei in einen Ameisenhaufen legen werde. Fräßen die Ameisen das Ei in einer bestimmten Friste so erklärte Dr. Dingfelder, dann werde der Kranke gesund werden, im anderen Falle könne er nicht garantieren. Die Delikateste mußte den Ameisen nicht gemundet haben, denn es zeigte sich beim Patienten keine Besserung, weshalb er es vorzog, sich der „klinischen Behandlung" des Dr. Dingfelder zu entziehen. Nach seinem Abkommen mit Dr. Dingfelder verweigerte er die Zahlung der Rechnung, weshalb es zur Klage kam, bei der die Sachverständigen deponierten, daß das Verfahren Dr. Ding» felder's unvereinbar sei mit dem Beruf eines wisienschaftlich gebildeten Arztes. Die Forderung wurde selbstverständlich abgewiesen. X Stuttgart, 1. April. Der zu einer Landwehrübung beim Infanterie-Regiment Nr. 124 in Ulm eingezogene Käser Ambros Jäger wurde am 18. Mai v. I. durch eine aus den Schießständen verirrte Kugel am Unterschenkel erheblich verletzt. Nach dreiwöchentlichem Aufenthalt im Lazareth machte Jäger beim Bezirksfeldwebel Ersatzansprüche geltend, erhielt aber die Antwort: „Es giebt nichts." Nun wandte sich Jägers Schwager an den Rechtsanwalt Mayer in Ulm, dessen Eingabe an das Bezirkskommando unbeantwortet blieb. Dem Käser Jäger wurde bald darauf eröffnet, daß er vom Bezirkskommando drei Tage Mittelarrest erhalten habe, weil er nicht auf dem vorgeschriebenen Dienstwege vorgegangen sei, auch habe er den Rechtsanwalt Mayer zu veranlaffen, sofort seine Klage zurückzunehmen. Jäger theilte seine Bestrafung seinem Anwalt mit, der darauf Beschwerde an das Bezirkskommando erhob. Zwei Tage später wurde Jäger beordert, auf dem Rathhaus in Heidenheim bei der Aushebung zu erscheinen. Der „Fränk. Kurier" berichtete über 16*