Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 4 (April 1898)
- Article
- Hamburg
- Date
- 1898-04-01
- Page
- 224 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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224 Im deutschen Reich. das „Vordringen der Juden" auf allen Gebieten zu beklagen, sie zu schmähen und zu beschimpfen; wir brauchen unS garnicht „verdrängen" zu lasten. Aber mit der geistigen Lebendigkeit unseres Adels und unseres wohlhabenden Bürgerthums ist es leider nicht weit her . . .." 4, Dresden, 10. April. Der kürzlich veröffentlichte Rechnungsabschluß der antisemitischen „Deutschen Wacht" ergiebt, daß von dem Aktienkapital von 233 000 Mk. bis jetzt 171 293 Mk. verpulvert worden sind. Dabei hat man in den letzten Jahren für Maschinen und Schriften nur 5 pCt. abgeschrieben. Für Papier hat man 1895 noch 33 688 Mk., im Jahre 1897 aber nur 24 486 Mk. gebraucht. Diese letzteren Zahlen und die Einnahme für Abonnements 1895: 65 659,30 Mk. und 1897 nur 53 280,69 Mk. lassen deutlich erkennen, daß die Abonnentenzahl der „D. W." einen erheblichen Rückgang erfahren hat. Mit den bei der Gründung in Aussicht gestellten hohen Dividenden ist es also nichts, vielmehr wird das Betriebskapital immer mehr aufgezehrt. Trotzdem hat man aufs Neue beschloffen, den Betrieb fortzusctzen. Heil! X München» 17. April. Rechrsanwalt S ch i l e i n und Oberexpeditor Scheidler, die Führer der hiesigen antisemitischen Sezessionisten, gründeten in verschiedenen Stadttheilen sog.Reformvereine, welche sich zu der neuen „volkswirthschaftlichen Mittelstandspartei" zusammengeschlosten haben. Dieselbe hielt gestern eine öffentliche Versammlung ab, in der der bekannte Redakteur der „Deutschen Wacht" in Dresden V. H. W e l ck e r über „der Schutz des Mittelstandes und die Ausgabe der kommenden Volksvertretungen" referierte. Die Versammlung war ziemlich gut besucht. Das von dem Redner entwickelte Partei- Programm enthielt die bekannten Forderungen der deutsch-sozialen Reformpartei. Den Freisinn und die Sozialdemokratie bezeichnte Welcker als „verjudet", was bei den Angehörigen der letztgenannten Partei einen Entrüstungssturm hervorrief. Welcker sowohl als auch Schilein sprachen sich für vollständige Toleranz in Glaubenssachen aus; sie wollen nur den Fremdling und den jüdischen Geist bei Juden und Deutschen bekämpfen. Gegenüber dem Referenten, der das Kapital für unproduktiv erklärte, sobald es mehr Zinsen trage als verzehrt werden können, sagte der eine sozialdemokratische Redner, unproduktiv sei nur das Kapital unseres Philisters, der es der tobten Hand schenke, der Jude aber sei Weltmann, er wage sein Kapital und verwerthe es produktiv. Während der Diskussion kam es auf der Tribüne zu Thätlichkeiten. — .Der zum Oberlandesgerichtsrath ernannte bisherige Landgerichtsrath Adolf Epstein in München ist der zweite Jurist jüdischen Glaubens, der in Bayern eine solche