Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 4 (April 1898)
- Article
- [Ohne Titel] / A. L.
- Date
- 1898-04-01
- Page
- 213 (sequence 9)
- Language
- German
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Umschau. SIS 308 gegen 170 Stimmen angenommen. Ausschlaggebend war dabei allerdings auch, daß der als Wahlagent für Eduard Drumont in Algier thätig gewesene, erst 23 Jahre alte Unruhestifter R6gis, der Sohn eines Ausländers ist, welcher erst kürzlich in Frankreich naturalisiert wurde. Inzwischen ist Drumont selbst nach Algerien gereist, wo er wie ein Triumphator mit Palmen und Kränzen empfangen worden sein soll und jedenfalls durch Aufstachelung der Leidenschaften die Stellung des Statthalters Lepine noch mehr erschwert. — Von algerischen Emissären ist die antisemitische Bewegung auch in Tunesien eingeschleppt worden, wo der arabische Pöbel bereits die Läden der Juden plünderte und viele der letzteren mißhandelte. Die französische Negierung sieht sich bereits gezwungen, in beiden Ländern Vorkehrungen zur Unterdrückung eines mit bewaffneter Hand vorgehenden „antisemitischen Aufstandes" zu treffen, eines Ausstandes, der nur den Antisemitismus zum Aushängeschild nimmt, in Wirklichkeit aber nichts anderes anstrebt, als eine Plünderung der Besitzenden durch die Besitzlosen, eine Vertreibung der Landesfremden durch die alten Eigner des Bodens! Die dem Antisemitismus zu allen Zeiten und in allen Ländern eigenthümliche pharaonische Verstocktheit zeigt sich jetzt in ihrer ärgsten Verblendung in Frankreich; wie überall, treffen auch dort die vergifteten Pfeile über die Juden hinweg die Stützen der öffentlichen Ordnung. Die „Straßburger Post" schreibt: „Rochefort nennt im „Jntransigeant" den Präsidenten L o e w einen „schmutzigen elsässischen Judenbengel", der „vorzüglich zu dem schmutzigen elsässischen Juden P i c q u a r t paßt". Der Ministerpräsident Msline sei ein „alter Lakai", der Kriegsminister Billot sei „der Gipfelpunkt der Unfähigkeit", der Justizminister „entweder für Mazas (das Zuchthaus) oder Charenton (das Irrenhaus) reif". Ganz in das gleiche Horn bläst Drumont in der „Libre Parole", der von der „bezahlten judendeutschen Verrätherbande" redet, den Präsidenten Loew einen „alten Trottel", den Generalstaatsanwalt Manaud einen „Almosenempfänger der Juden", den Justizminister einen „Banditen" nennt und fordert, man solle den Kaffationshof „einfach zum Teufel jagen, jeden Richter mit einem Bajonett im Leibe" und das Ministerium „unter einem allgemeinen Anspeien ertränken". Dabei ist Loew Protestant und Picquard Katholik, und ihre Eigenschaft als Elsässer sollte ihnen wahrlich «in Franzose nicht zum Vorwurf machen! Man muß sich nur fragen: „W ohin st euer» diese Leute?" A. L.