Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 3 (März 1898)
- Article
- S. S., Dresden
- Date
- 1898-03-01
- Page
- 170 (sequence 1)
- Language
- German
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170 Im deutschen Reich. S. S., Dresden. Wenn das dortige AntisemitenblatL „Deutsche Wacht" den „Neuen militärischen Blättern" die unbewiesene Behauptung nachdruckt, daß 1813 nicht weniger als 10 jüdische Spione im Dienst gestanden hätten, so ist demgegenüber zu bemerken, daß Napoleon nach einer kürzlich im Stöckerblatt „Volk" veröffentlichten Studie über das Spionagewesen ganze „dni-eaux d'espionage“ hatte, in welchen unter den zahlreichen Angestellten jene angeblichen zehn Juden nur einen verschwindenden Bruchtheil gebildet haben würden. Es ist nur zu verwundern, daß das Dresdner AntisemitenblatL nicht auch einen der berüchtigsten Spione, den sächsischen Hofkabinetskanzlist Menzel, der dem preußischen Gesandten von Maltzahn im Jahre 1753 alle Verhandlungen seines Herrn mit der Kaiserin Maria Theresia und Elisabeth verrieth, nachträglich noch zum. Juden macht! — Dem Herrn von Kardorff, dem im parlamentarischen Zungengefecht die Worte „jüdische Unverschämtheit" entfahren, hat die „Breslauer Zeitung" eine auffallende G e d ä ch t n i ß s ch w ä ch e nachgewiesen. Sie stellte nämlich entgegen seiner an: 17. Februar im Reichstage abgegebenen Erklärung Kardorsf's Zugehörigkeit zum ersten Aufsichtsrath der Laurahütte aus dem Prospekt vom Juni 1371 fest. (4. H. Leipzig. Wir wollen Ihnen ein Beispiel für die Zuverlässigkeit der antisemitischen Berichterstatter aus Ihrer nächsten Nähe liefern. Am 2. März brachte die „Deutsche Wacht" unter der Ueberschrift'. „Ein netter Jude" folgende Notiz aus Altenbur g: „In unserer Residenzstadt hatte der jüdische Konfektionär Gottschalk Wiedemüller, bei dem das Geschäft Dank der Lauheit deutscher Frauen recht flott ging, sich ein eigenes Grundstück erworben. Natürlich sollte das neue Geschäft fein koscher aussehen. Ein Handwerksmeister wurde deshalb mit der Aufstellung eines Kostenanschlages beauftragt. Trotzdem dieser seine Preise niedrigst bemessen hatte, wollte der jüdische Herr daran noch ein hübsches Sümmchen herunterhandeln. Damit war der Handwerksmeister nicht einverstanden, natürlich erhielt er in Folge dessen auch die Ausführung der Arbeit nicht. Aber er sollte seinen Kostenanschlag nicht umsonst gemacht haben. Umsonst dergleichen zu verlangen, dazu ist ein Jude denn doch zu nobel. Nun wirst Du meinen, lieber Leser, der Herr Konfektionär griff in seinen Säckel und zahlte in Silber. Weit gefehlt, viel, viel nobler war er. Er bot dem Handwerksmeister als seiner Mühe Lohn — eine Cigarre an. Ob's eine aus der Kiste war, der er den Bedarf für eigenen Gebrauch entnimmt oder eine besondere Sorte Geschenkcigarre, wissen wir nicht, der Handwerksmeister kann's auch nicht sagen, denn er lehnte beschämt dankend die jüdische Noblesse ab." — Wie wir