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Im deutschen Reich · 1898-03-01 · Heft 3 (März 1898) · p. 169

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 3 (März 1898)
Article
A. B. Berlin
Date
1898-03-01
Page
169 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Briefkasten der Redaktion. 169 gegnerischer Seite die Begründung eines „neuen VineLa" geplant. Die „Staatsbürger Ztg." schreibt: „Der von der gesummten jüdischen Presse verhängte Boykott hat die überraschende Folge gehabt, daß Zinnowitz in den letzten Jahren einen geradezu großartigen Aufschwung genommen hat. (?) Dieser Erfolg hat nun einer Anzahl deutscher Männer den Anstoß gegeben, zu einer Gesellschaft mit beschränkter Haftung zusammenzutreten, um im Anschluß an einen schon erstehenden Ostseebadeort ein neues Bad zu begründen, in dem nur deutsche Gäste Aufnahme finden sollen. Wie wir hierüber des weiteren hören, ist hierzu ein Platz auf der Insel Usedom ausersehen worden. Bei Koserow hat die Gesellschaft mehrere hundert Morgen zu einem billigen Preise erstanden und will sich mit anderen, die ebenfalls die Sommerfrische in deutscher Gesellschaft verleben wollen, daselbst ansiedeln. Es fehlt also nichts mehr zu dem schönen Plane als recht zahlreiche Theilnehmer, die ohne Zweifel nicht ausbleiben werden. Einzelheiten über das Projekt theilt gern mit Herr Liedtke, Steglitz, Albrechtstr. 20 a." — Vielleicht legt Herr Ahlwardt die Erträge seiner Vortragsreisen in „Seebad Koserow-Antheilen" an! A. B. Posen. Wir find entschiedene Gegner, derartiger willkürlicher Namensänderungen. Wer einen alttestamentlichen Namen hat, soll ihn behalten und ihm durch sein Verhalten Ehre machen. Die hiesige antisemitische „Staatsbürger-Zeitung" veröffentlichte dieser Tage ein vom 6. November 1697 datiertes, an einen aus der Provinz Posen nach Berlin gezogenen Herrn gerichtetes Schreiben nachstehenden Inhalts: „Auf das an die Königliche Negierung zu Posen gerichtete, mir zur Verfügung übergebene Gesuch vom 22. Oktober 1897 erwidere ich Ihnen, daß Sie zur Annahme von Vornamen einer obrigkeitlichen Erlaubniß nicht bedürfen. Diesseits findet sich demgemäß nichts dagegen zu erinnern, wenn Sie den Vornamen „Emil" weiterführen. In den Aegisterblättern des Einwohnermeldeamts ist dieser Vorname eingetragen. Der Polizei-Präsident." — Damit ist der Wunsch des betreffenden Herrn, welcher früher „Nehemias" geheißen haben soll, erfüllt, aber gleichzeitig auch in bedauerlicher Weise der Anschein erweckt 'worden, daß sich ein Jude schämte, einen alttestamentlichen Namen zu tragen. Wenn wir die Gegner entwaffnen wollen, müssen wir zeigen, daß wir stolz darauf find, Juden zu sein. Sicher wird ein gesinnungsvoller „Nehemias", der seinem deutschen Vaterlande und seiner jüdischen Religion treu ist, mehr Achtung und Sympathie erwerben, als einer jener Muthlosen, der nach dem Synagogen-Besuch sein Gebetbuch in dickes Zeitungspapier wickelt, damit ihn nur ja Niemand für einen Juden halte!

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