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Im deutschen Reich · 1898-03-01 · Heft 3 (März 1898) · p. 142

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 3 (März 1898)
Article
[Ohne Titel] / A. L.
Date
1898-03-01
Page
142 (sequence 1)
Language
German
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142 Umschau. ^^as von dem Altmeister Goethe verfaßte „Jahrmarktsfest zu Plundersweilern" enthält eine „Esther-Komödie", in welcher Ahasverus von den Juden sagt: „Mir ist es einerlei, wem sie die Psalmen singen, wenn sie nur ruhig sind, und mir die Steuern bringen." Den Haman läßt Goethe sagen: „Was soll der günst'ge Hauch, der längst mein Glück belebet; was hilft's auf so viel Herrn und Fürsten wegzugehen, wenn es ein Jude wagt, mir in's Gesicht zu sehen?" In einem offenbar nicht judenfeindlichen Sinne hat der größte deutsche Dichter den Stoff behandelt, den ihm das alttestamentliche Buch Esther bot, welches auch andere deutsche Schriftsteller zu poetischen Schöpfungen anregte, ohne daß auch nur ein einziger von ihnen sich zu einer Verherrlichung deS Judenfeindes Haman oder zu einem heftigen Ausfall gegen die Abwehr übenden Bedrängten veranlaßt fühlte. Die harmlose Fastnachtsart, in welcher die Juden seit undenklicher Zeit das an die Esther-Legende erinnernde Purimfest begangen haben, ohne sich viel um den zweifelhaften historischen Hintergrund zu kümmern, ohne einzelne Unwahrscheinlichkeiten zu bekritteln, ohne irgend einem Rachegedanken gegen die wieder und wieder auftauchenden Epigonen HamanS Raum zu geben, war durchaus nicht geeignet, irgendwie und irgendwo Anstoß zu erregen. Unterschied sich doch diese heitere Halbfeier einer fast sagenhaften Errettung wesentlich von dem tiefen Ernst, mit welchem jederzeit von den Juden die beiden großen Befreiungsfeste begangen wurden, welche die Erinnerung an den Auszug aus Aegypten und die Makkabäer-Siege Jahrhunderte hindurch wach erhielten. Um so mehr mußte die Nachricht überraschen, daß die Antisemiten Deutschlands gelegentlich des diesjährigen Purimfestes Kundgebungen gegen die Juden zu veranlassen gesonnen seien, um so seltsamer muhten die um diese Zeit von einzelnen Antisemitenblättern veröffentlichten Artikel berühren, in welchen unter absichtlicher Vermengung von Gegenwärtige»! und Längstvergangenein das Buch Esther und die Purimfeier dazu benutzt wurden, die Juden zu einem gefahrbringenden, rachesüchtigen, fremden Volk zu stempeln. Ueber eine solche antisemitische Kundgebung in Breslau, welche in der Veranstaltung eines Vortrags über das Thema „Der ewige Jude im Lichte des Purimsestes" bestand, schrieb die „Breslauer

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