Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 3 (März 1898)
- Article
- Eine Parallele zum Dreyfus-Prozeß
- Date
- 1898-03-01
- Page
- 140 (sequence 7)
- Language
- German
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140 Im deutschen Reich. Gerechtigkeitsgefühl sich Luft zu machen suchte und sich gegen die Schändung der von den Franzosen erfundenen Menschenrechte aufbäumte. AuchThierS wollte im Besitze geheimer Schriftstücke fein — sie sind aber nie ans Licht gekommen, ebensowenig wie bisher dasjenige, welches für die Verurtheilung von Dreysus ausschlaggebend gewesen sein soll. Und warum setzte der französische Konsul in Kairo Himmel und Hölle in Bewegung, warum intriguierte er bis zum letzten Augenblick am Hofe Mehemed Alis, um die Wiederaufnahme des Judenprozesies zu verhindern? Aus demselben Grunde, aus welchem man heute die Revision des Dreyfusprozesses hintertreiben will, da in diesem Falle die Namen Mercier, Billot und Boisdeffre schwerlich einen andern Klang haben würden, als derjenige Mentons. Wie gezeigt wurde, hat letzterer die Spuren, die zur Entdeckung des wahren Mörders führen konnten, absichtlich unberücksichtigt gelassen oder blutig unterdrückt. Heute sehen wir Handlanger der Machthaber in Paris ungesetzliche Haussuchungen vomehmen, um nach geheimen Papieren zu fahnden, die die Unschuld des Gefangenen auf der Teufelsinsel doch noch ans Licht bringen, damit aber die Wege der Regierung durchkreuzen könnten. Der österreichische Konsul Merlato wurde in Frankreich als Jude verschrieen, Zola muß es sich gefallen laßen, als Bestochener des Dreyfussyndicats vom Pöbel beschimpft zu werden. Damit sind die Analogien noch nicht erschöpft, denn auch der politische Hintergrund ist in beiden Fällen derselbe. Wie nach einer verabredeten Losung und einem von höherer Hand festgestellten Plane hatte sich die ultramontane Partei in Frankreich, Belgien und Italien förmlich verschworen, den wahren Hergang der Ereignisse in Damaskus zu verdunkeln und die Juden als Menschenschlächter erscheinen zu lassen; in ganz Italien durften die gegen Menton gerichteten Schriftstücke nicht gedruckt werden, denn die von der Geistlichkeit geleitete Zensur hatte es verboten. Und Thiers hatte gute Gründe, den Ultramontanen zu Willen zu sein, er brauchte, um sich am Ruder erhalten zu können, in der Pairskammer eine Mehrheit, er konnte aber jenen Theil des Klerus, der, von der ältern bourbonischen Linie nicht mehr erwartend, sich der jetzigen Regierung angeschlossen hatte — man gebrauchte damals schon das Wort rallie — als ein gouvernementales Mittel verwenden. An der Spitze dieser Jungjesuiten stand der