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Im deutschen Reich · 1898-02-01 · Heft 2 (Februar 1898) · p. 116

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 2 (Februar 1898)
Article
Leib Weihnachtskuchen und sein Kind [Rezension]
Date
1898-02-01
Page
116 (sequence 2)
Language
German
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.116 Hm brutschen Reich. Kindes auf das Schwerste bedroht sieht. Um nicht aus seinen» ärmlichen Heim hinausgejagt zu werden, soll er.seine einzige Tochter, ein kaum den Kinderjahren entwachsenes frisches Naturkind, einem reichen alten Manne als Gattin zuführen. Unter schweren seelischen Kämpfen kommt daS Bündniß zu Stande, nachdem Leib Weihnachtskuchen's Gattin mit der letzten Mahnung an die Tochter „Bleib' ein gutes jüdisches Kind" der beständigen Aufregung erlegen ist. Die Tochter findet aber nebst dem greisen Gatten ein unnatürliches Ende durch einen ruthenischen Bauern, einen häßlichen plumpen Menschen von finsterem und trotzigem Wesen, der Leib Weihnachtskuchen's Kind selbst zur Frau begehrt und geschworen hat, ihr und sich den Tod zu bereiten, wenn sie eines Anderen Weib würde: Dies der tieftragische Inhalt der Erzählung, die der bekannte Verfasier mit gewohnter Meisterschaft durchführt. Die Exposition und der dramatische Verlauf des Ganzen, besonders aber die stimmungsvolle Schilderung der Charaktere der einzelnen Personen und des Ortes der Handlung, zeugen von scharfer Beobachtung und genauer Kenntniß von Land und Leuten. Weniger vielleicht, als man es sonst bei Franzos gewohnt ist, tritt der unter Thronen lächelnde Humor zu Tage. Niemand wird aber diese Erzählung lesen können, ohne von der erschütternden Tragik zweier Menschengeschicke in tiefster Seele ergriffen zu werden. R. W. Nächte. Gaffen- und Giebelgeschichten. Bilder aus der Zeit und Zukunft von Kurt Geucke. Verlag von Herm. Walther, Berlin. Was die Leser dieser Zeitschrift an dieser Dichtung interessieren dürfte, ist der Umstand, daß der Verfaffer die Judenfrage in der Erzählung: „An den Wassern Babylons" in den Kreis seiner Betrachtung gezogen hat. Ob die in der Sylvesternacht einem Hofprediger a. D. zugedachte Stellung Anspielungen auf dieses Thema enthält, wage ich nicht zu entscheiden. Alles in Allem genommen kann ich die Dichtung nur angelegentlich empfehlen, und wenn ich mich auch nicht mit einer gewissen gekünstelten und in Folge deffen geschraubten Darstellungsweise, ferner auch nicht mit der Lösung verschiedener schwieriger Probleme immer einverstanden erklären mag, nehme ich doch an, daß die Lektüre dieses anregenden Buches, namentlich seines poetischen Theils, auf jedes empfängliche Gemüth eine nachhaltige Wirkung ausüben wird. dl. dl. K. Redaktious - Buren« des Central-Vereins deutscher Staatsbürger jüdische» Glaubens Berlin di Vf., Karl-Stratze 26 ll. Für die Redakrion verantwortlich: Alphonse ltevy, Berlin.

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