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Im deutschen Reich · 1898-02-01 · Heft 2 (Februar 1898) · p. 113

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 2 (Februar 1898)
Article
J. L. München
Date
1898-02-01
Page
113 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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Briefkasten der Redaktion. 11» Nachrichten" an mich gerichteten offenen Briefes bringe ich zur Kenntniß, daß ich die Privatklag« gegen Herrn Julius Mendel «ingeleitet habe. Dadurch wird das meinem von Herrn Mendel veröffentlichten Briefe zu Grunde liegende Sachverhältniß Aufklärung finden." Mcherfchan. Die Kinder des Ghetto, von I. Z a n g w i l l, deutsch von Adele Berger. Verlag Siegfried Cronbach. Berlin. 1897. Der Verfasser dieses Werkes ist offenbar mit den alten Gesetzen und Gebräuchen der Juden bis in's Einzelne vertraut. Sein Ghetto ist ein Theil von London, der einem Meere gleicht, in das ohne Unterbrechung Ströme einwandernder polnischer und russischer Juden münden. In diesem Ghetto konnte der Verfasser Szenen vorsinden und dem Leser vorführen, wie sie auf dem Kontinente nur noch in der Erinnerung derjenigen leben und nur denen verständlich sein können, deren Jugend in der frühen ersten Hälfte dieses Jahrhunderts wurzelt. Für solche Leser weiß das Talent des Verfassers diesen Szenen ein gemüthliches, oft amüsantes, oft tragisches Interesse einzuflößen. Fast der ganze erste Band bewegt sich in den engen, äußerlich ziemlich widerlichen Räumen dieses östlichen Stadttheils. Hierbei ist zu bemerken, daß wir mit dem Londoner Ghetto keineswegs die Idee abscheulicher Unterdrückung verbinden müssen, welche in älteren Zeiten die Ghetti des Kontinents so abschreckend machte. Eine Erscheinung des Londoner Ghettos, die der Verfasser am Anfänge des dritten Kapitels erwähnt und von Schreiber dieses als Augenzeuge bestätigt werden kann, verdient besonders bemerkt zu werden. Es ist der Sonntagsmarkt in Petticoat Lane. In dieser ziemlich langen, aber engsten aller Gassen, „schreien die armen jüdischen Verkäufer mit Stentorstimme ihre Waaren aus, und das Geplapper der Käufer gleicht dem Brausen einer stürmischen See", ich füge hinzu: einem rollenden Donner, dessen Schall sich noch weit nach den angrenzenden Stadttheilen verbreitet. Als ich London besuchte, konnte ich nicht umhin, mein Erstaunen darüber zu äußern, daß in dem religiösen London die Behörden eine solche Unterbrechung der feierlichen Sonntagsruhe dulden. Ich erhielt die Antwort, daß die Verkäufer sehr arme, meist auswärtige Leute seien, die keine Läden oder sonstige Geschäftslokale halten können, und daß dieser Sonntagsmarkt in der engen Petticoat Lane, wo Leute wissen, daß sie billigst einkaufen, das einzige Mittel sei, den armen Menschen

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