Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1898)
- Article
- Wien
- Date
- 1898-02-01
- Page
- 101 (sequence 2)
- Language
- German
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Korrespondenzen. 101 Ansuchen um Ablehnung ein es Richters wegen seiner Konfession zu entscheiden. In Verhandlung stand eine von Dr. Otto Frischauer vertretene Klage der Frau Anna Jlger, einer Tochter des verstorbenen Dichters O. F. Berg, gegen ihren Gatten, den pensionierten Oberlieutenant Franz Jlger, Herausgeber des „Kikeriki". Der Richter, Adjunkt Dr. Pick, gab unmittelbar nach Eröffnung der Verhandlung bekannt, daß der Reichsrathsabgeordnete Dr. Pattai als Vertreter Jlger's die Ablehnung seiner Person als Richter begehrt habe, mit der Begründung, Jlger sei ein pro - nonzirter Antisemit, der Richter aber mosaischer Konfession. Der Bezirksrichter als Gerichtsleiter habe dieses in letzter Stunde überreichte Gesuch a b w e i s l i ch erledigt, mit der Begründung, daß die Konfession des Richters, die als alleiniger Ablehnungsgrund geltend gemacht wurde, auch im vorliegenden Straffalle durchaus keinen Grund einer Ablehnung bilden könne, da dies zu Konsequenzen führen würde, die weder mit dem Staatsgrundgesetze noch mit dem Richter-Eide in Einklang zu bringen sein würden. TepLitz in Böhmen, 2. Februar. Bei dem nordwestböhmischen Gauturntag wurde am 30. Januar der von -mehreren Turnvereinen gestellte Antrag, Juden nicht aufzunehmen, abgelehnt. <£> Vudweis, 7. Februar. Vom hiesigen Kreisgericht ist der antisemitische Agitator Anton Stifter wegen Verleitung zu falscher Aussage zu dreimonatlicher Kerkerstrafe verurtheilt worden. Nereirrsnachrichten. Die im Saale der Brauerei „Pfefferberg", Schönhauser Allee 176, am 26. Januar cr. abgehaltene Versammlung der in Berlin N. u ti b NO. wohnenden Mitglieder war ausnahmsweise nur mäßig besucht, worüber der Vorsitzende Herr vr. Jul. Moses in Anbetracht des im Vortrage behandelten wichtigen Themas sein Bedauern ausdrückte. Mit dem regsten Interesse folgten aber die Anwesenden den Darlegungen des Herrn Lehrer M. Steinhardt in Magdeburg, welcher in ergreifenden Worten „die Stellung der Lehrer in den jüdischen Gemeinden" nach den verschiedensten Richtungen hin erörterte. Der Redner betonte, daß es ihn mit Befriedigung erfülle, eine für die Ehre des Judenthums so bedeutsame Angelegenheit vor das Forum derjenigen Körperschaft zu bringen, welche in den 8