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Im deutschen Reich · 1898-02-01 · Heft 2 (Februar 1898) · p. 100

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 2 (Februar 1898)
Article
Nürnberg
Date
1898-02-01
Page
100 (sequence 1)
Language
German
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100 3m deutschen Reich. X Nürnberg, 3. Februar. Zu der hier gestern von dem Münchener Antisemiten-Häuptling W e n g g veranstalteten Versammlung, auf deren Tagesordnung der Fall Dreyfus und die Alliance feraölite“ stand, hatten sich nur etwa 100 Personen eingefunden. Die bekannten Phrasen über die „verjudete Presse" wurden losgelaffen. Es zeigte sich aber, daß hier kein Boden für antisemitische Bestrebungen ist. X Schwabach in Bayern, 1. Februar. Das protestantische Dekanat hat bei dem hiesigen Magistrate Beschwerde darüber geführt, daß beim Tode eines Israeliten dieMusi! vom Thurme der protestantischen Stadtpfarrkirche herab geblasen hat. Gleichzeitig wurde der Magistrat ersucht, künftig einen derartigen Akt zu verhüten. Das Schwabacher Magistratskollegium hat zunächst nur beschlossen^ Erkundigungen über das Eigenthumsrecht am Thurme einzuziehen. fjj Heidelberg, 1. Februar. Vor dem hiesigen Schöffengericht kam dieser Tage eine Klage des bekannten antisemitischen Agitators Thomas Reuther in Knielingen gegen den Pastor Volk in Heddersbach zur Verhandlung. Der Letztere hatte in einer Versammlung die Zuhörer davor gewarnt, den Aussagen des Antisemiten Glauben zu schenken; Reuther habe eine große Anzahl Strafen wegen verschiedenartiger Vergehen auf dem Kerbholze. Der Beklagte konnte nach der „N. B. L." durch seinen Vertheidiger mit Leichtigkeit seine Behauptungen als vollständig wahrheitsgemäß Nachweisen. Der Gerichtshof sprach Herrn Pfarrer Volk frei und verurtheilte den Privatkläger Reuther zur Tragung der sümmtlichen nicht unbeträchtlichen Kosten. O Schwerin i. M., 1. Februar. Der Herzog-Regent besichtigte am 21. v. Mts. die hiesige Synagoge und wurde am Eingänge derselben von dem Landesrabbiner vr. F. Feilchenfeld und dem Vorstande der jüdischen Gemeinde empfangen. Besonders schienen den Herzog die heilige Lade, die Gesetzesrollen, die alten Kronen und Bronzen, die Gedenktafel für den verstorbenen Großherzog Friedrich Franz II. und die Erinnerungstafel der 1813 und 1870/71 gefallenen jüdischen Soldaten zu interessieren. Sichtlich befriedigt verließ der Herzog-Regent das aus Anlaß seines Besuches festlich erleuchtete Gotteshaus. DerHerzog hat demLandesrabbiüervr.F.Feilchenfeld die Erinnerungsmedaille an den hochseligen Großherzog Friedrich Franz III. verliehen. X Wien, 14. Februar. Das Bezirksgericht Bruck an der Leitha hatte vorgestern — ein Fall, der sich seit der Sanktion der Staatsgrundgesetze in Oesterreich noch-niemals ereignete — über ein

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