Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 4 (1898)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1898)
- Article
- G. H. Leipzig
- Date
- 1898-01-01
- Page
- 62 (sequence 1)
- Language
- German
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62 Im deutschen Reich. G. H. Leipzig. Daß Ihnen bei der Lektüre der „Deutsch-sozialen Blatts die Galle schwillt, ist begreiflich; dies begegnet Ihnen nicht allein. Aus Weimar brachte die antisemitische „Deutsche Wacht" am 30 v. Mts. nachstehende Mittheilung: „Im „Sächs. Hofe", dem Vereinslokal des hiesigen „Deutschen Vereins", zerriß der Jude Klar unter Schmähungen aller Art die dort aufliegenden „Deutschsozialen Blätter" angesichts seiner darob belustigten Gesinnungsgenossen vom Deutsch-freisinnigen Stammtisch. Hoffentlich hat der Wirth sofort Schritte eingeleitet, um künftig gegen dieBeschädigung seines Eigenthums gesichert zu sein." — In solchem Falle hat Herr Klar Unannehmlichkeiten zu gewärtigen; jedenfalls hätte er besser gethan, das Blatt garnicht in die Hand zu nehmen. Denselben Fehler begehen auch andere Glaubensgenossen, indem sie ohne Noth sich mit den antisemitischen Blättern beschäftigen, dieselben in öffentlichen Lokalen fordern und lesen, unnöthiger Weise sich Aerger bereiten und die Wirthe geradezu veranlassen, antisemitische Blätter zu halten. Hircherschau. Die deutsche Flotte und die jüdischen Reichötagswähler. Von ***• (Berlin 1898. Verlag von Albert Katz.) Der Verfasser schlägt den jüdischen Wählern die Annahme der Flottenvorlage aus nationalem und spezifisch jüdischen Interessen vor. Er führt aus: Schon heut sei der erschwerte Erwerb eine Ursache des Antisemitismus, gerade für die jüdische Bevölkerung unseres Vaterlandes wäre es ein besonderer Gewinn, wenn in einem großen Koloniallande den Abenteurern ein Spielplatz für ihre Geschäftigkeit, der arbeitsuchenden Bevölkerung neue Arbeitsfelder, der Industrie neue Absatzgebiete, dem Unbehagen über die Zustände im Inlands ein Ventil geschaffen würde, für die gequälten Juden des Ostens gäbe es vielleicht dort eine Zuflucht. „Die Juden selbst," so heißt es, „haben für ihre Glaubensgenossen im Osten Europas allerhand koloniale Pläne in Kleinasien; einige Anfänge sind schon gemacht worden und einige Lausend Juden sind in Palästina angesiedelt worden, aber alle diese Gründungen hängen gleichsam in der Luft, weil dort eine geordnete Landesverwaltung fehlt. Jetzt liegt für uns Kleinasien wie in einer fremden Welt; es wäre uns sehr nahe gerückt und wir könnten daran er-