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Im deutschen Reich · 1898-01-01 · Heft 1 (Januar 1898) · p. 50

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
4 (1898)
Issue
Heft 1 (Januar 1898)
Article
Dresden
Date
1898-01-01
Page
50 (sequence 2)
Language
German
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50 3m deutschen Reich. den zuvor beleidigten Klägern jüdischer Konfession die gesetzlich vorgeschriebene Privatgenugthuung geben zu müssen. Q) Bernburg, 1. Januar. Dem hier am 25. November v. I. im 71. Lebensjahre am Herzschlage dahingeschiedenen hochverdienten Sanitätsrath Di*. Fließ wurde von der städtischen Behörde folgender Nachruf gewidmet: „Am 25. d. M. verstarb nach kurzem Kranksein Herr Sanitätsrath Di*, med. Fließ. In pflichttreuer, rastloser und erfolgreicher Thätigkeit übte er 46 Jahre lang die ärztliche Praxis in unserer Stadt aus. Er bekleidete viele Jahre hindurch das Amt eines Armenarztes unserer Stadt, in dem er in jeder Zeit hülfsbereiter Weise unseren hülfsbedürftigen Kranken seinen ärztlichen Rath und Beistand mit gutem Erfolge gewährte. Wir werden diesem verdienten, so selbstlosen Manne auch über das Grab hinaus ein ehrendes und dankbares Andenken bewahren. Bernburg, den 27. November 1807. Der Magistrat, gez. L e i n w e b e r." Der „Anhalter Kurier" rühmte in einem schwungvollen, längeren Nachrufe das menschenfreundliche Wirken dieses jüdischen Arztes, insbesondere seine langjährige Thätigkeit als Bahnarzt und als Armenarzt, durch dessen Hinscheiden die ärmere Bevölkerung Bernburgs einen immer bereiten ärztlichen Freund verloren habe. Don seinem Landesherrn hatte Sanitätsrath Di*. Fließ zu seinem 70. Geburtstage die Silber- Insignien des Ordens Albrechts des Bären erhalten. Der Verstorbene war ein treues Mitglied des Central-Vereins. Zürich, 1. Januar. Die „Neue Züricher Zeitung" berichtet: „Die Herren Pfister und Utz in Zurzach gedenken mit Neujahr in Badisch-Rheinheim gegenüber Zurzach eine große Schlächterei einzurichten, um von dort aus die Israeliten in Baden, Zürich u. s. w. mit koscherem Fleisch zu versorgen." O Budapest, 12. Januar. Ein hochgeachteter theologischer Schriftsteller, der Profefior am hiesigen katholischen Priester-Seminar, LeopoldHuber, veröffentlicht eine Studie „über den T a l m u d vom kulturgeschichtlichen Standpunkte", in welcher die Bedeutung des Talmuds gewürdigt und eine reiche Blumenlese von Citaten aus den verschiedensten Gebieten des Wissens und der Praxis geboten wird. Der Inhalt dieses auf Kosten des Erzbischofs GeorgvonCzaszka gedruckten, 280 Seiten starken Buches veranlaßt das antisemitische Blatt „Alkomany" zu der bemerkenswerthen Klage: „Die künftigen Führer der in den Kreisen der Intelligenz immer mehr um sich greifenden antisemitischen Bewegung müssen aus diesem Werke die Ueberzeugung schöpfen, daß man nunmehr aufTalmu d-M o t i v e n keinen Antisemitismus mehr aufbauen kann."

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