Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1897)
- Article
- Professor Paulsen und die Judenfrage
- Date
- 1897-12-01
- Page
- 652 (sequence 2)
- Language
- German
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€52 Im deutschen Reich. „Central-Derein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens", um aus seinem Namen den Schluß zu ziehen oder wenigstens die Vermuthung zu begründen, die Juden selbst hätten das Gefühl, daß „wie bei den katholischen und protestantischen Deutschen diedeutscheNationalität dieSubstanz ist, so bei den französischen, deutschen oderrussischenJudendasJudenthum, daß dagegen deutsch oder französisch oder russisch das Accidens (in der Regel, es giebt auch Ausnahmen) wie dort das katholisch oder protestantisch ist". Leider hat Herr Levinstein nicht mit der wünschenswerthen Entschiedenheit die Antwort darauf gegeben. Der Name des Vereins soll gerade das Gegentheil von dem aussprechen, was P. darin findet. Er soll es unzweideutig und immer wieder zum Ausdruck bringen, daß wir deutsche Staatsbürger sind, so gut wie irgend einer evangelischen oder katholischen Glaubens, und daß wir unser angeborenes Recht uns nicht wollen nehmen lasten, weder durch das Geschrei der Radauantisemiten noch durch die scharfsinnigen Distinktionen von Substanz und Accidens seitens der „wissenschaftlichen" Antisemiten. Jene fein* Unterscheidung des Philosophie- Professors lag den Männern, die dem Verein seinen Namen gegeben haben, so fern wie etwa die Untersuchung, ob sie ihren Vater oder ihre Mutter mehr lieben. Der Name des Vereins ist zugleich sein Programm, mit dem er, wie es ihm schon gelungen ist, die Ausschreitungen des Straßenantisemitismus erfolgreich zu bekämpfen, hoffentlich auch das erzielen wird, daß unsere christlichen Mitbürger von antisemitischen Phrasen, wenn sie auch inr philosophischen Gewände erscheinen, sich nicht mehr blenden lasten, daß sie einsehen, Judenthum und Deutschthum sind keine Gegensätze, daß sie mit dem großen preußischen Staatsmanns aus dem Anfang des Jahrhunderts erkennen, die einzige Lösung der Judenfrage ist: Gleiche Pflichten — gleiche Rechte. Berlin, Dezember 1897. J. 8. Nahida Ruth Lazarus (Nahida Remy), Ich suchte Dich. Biographische Erzählung. Berlin 1898. Verlag von Siegfried Cronbach. Vielen unserer Leser dürfte ein früheres Werk der Verfasserin "des vorliegenden Buches bekannt sein, das unter dem Titel „Das jüdische Weib" die Frauen gestalten der Bibel und diejenigen der späteren jüdischen Geschichte mit großer Sachkenntniß in formgewandter Darstellung schilderte. Wir lernten damals in Nahida Remy «ine hochgebildete Frau kennen, welche, wie sie jetzt erzählt, als -Christin — sie stammt aus einer Offiziersfamilie — „die Bekämpfung des Vorurtheils gegen die Juden bei den Christen und Hebung eines .edleren Selbstbewußtseins unter den Juden selbst" als ihre „Lebens-