Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1897)
- Article
- K. M. Frankfurt a. M.
- Date
- 1897-12-01
- Page
- 650 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2316602-2316624-2316636--03430-2321680- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
650 3m deutschen Reich. städtischen Arzt „israelitischer Konfession" gewählt. Kurz, die Stadtvertretung von Karlsbad sei „weit davon entfernt, antisemitisch zu sein, sondern wiffe, waü sie der Stellung Karlsbads als Badeort schuldig sei. M. L., Dresden. Es hat Sie mit Unrecht geärgert, daß das Dresdener Antisemitenblatt „Deutsche Wacht" am 1. Dezember über die Lerurtheilung eines Inkassogeschäfts - Inhabers Siegfried Ephraim zu 2^ Jahren Gefängniß unter der Spitzmarke: „Wieder Einer" berichtete. Es ist ja thatsächlich „wieder einer" jener Ueberläufer, die man uns Juden, von denen sie sich selbst loSgesagt haben, mit Unrecht wieder an die Nöckschöße hängt, wenn sie den sittlichen Halt gänzlich verlieren. Der „Mainzer Anzeiger" schreibt: „Siegfried Ephraim aus Rummelöburg betrieb in Frankfurt a. M. mit einem gewissen Hofmann ein Inkassogeschäft. Als ihm dort der Boden zu heiß wurde, wandte er seine Schritte nach Mainz. In Frankfurt trat er z um Ehristenthuin über, um sich dadurch größere Vermögensvortheile zu verschaffen; auch färbte er seine schwarzen Haare, um sich besser als Christ gerieren zu können." G. H., Coethen. DaS wundert uns nicht. Die antisemitische „Sachsenschau" in Magdeburg verkündete ja am 22. November: „Ueber den ersten Vorstoß der deutsch-sozialen Reformpartei im Wahlkreise Bernburg-Cöthen, der im Wesentlichen dem thatkräftigen und entschiedenen Vorgehen des P o st a s s i st e n t e n Heinrichs- Güsten zu danken ist, berichten wir auf Wunsch u. s. w." L. U., Karlsruhe. Daß der Antisemitismus gewiß auch den Landleuten der dortigen Gegend nicht zum Segen gereicht, geht aus manchen Notizen der antisemitischen Parteipresse deutlich hervor. In dem „Deutschen Nolksboten" vom 1. d. M. fanden wir zwei die Lage kennzeichnende Notizen. Aus Walldorf wird berichtet: „Ten Tabakjuden ist hier ein dicker Strich durch ihre Rechnung gemacht worden. Dieselben haben den hiesigen Anhängern der antisemitischen Partei ihren Tabak nicht abgekauft und glaubten sie so wieder unter ihr Joch zu zwingen. Diesmal haben die Makkabäer aber kein Glück gehabt. Durch die Deutsche Reformpartei ist hier bekanntlich eine Raiffeisen-Darlehnskasse gegründet worden, der jetzt bereits einige siebzig Mitglieder angehören, und durch 'diese sind bereits die 200 Ctr. Tabak verkauft worden, und zwar zu 20 Mk. per Centner, während die Juden nur 18 Mk. und weniger bezahlt haben. — Waih geschrieen! — Die Kasse hat ihre erste Aufgabe glänzend gelöst." In derselben Nummer findet sich dagegen folgende