Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1897)
- Article
- G. A. Magdeburg
- Date
- 1897-12-01
- Page
- 649 (sequence 1)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 64S G. A. Magdeburg. Wir haben uns nach Herrn Louis Leonhardt Berlin 6., Neue Friedrichstr. 71, erkundigt, dem das dortige Antisemitenblatt „Sachsenschau" in einer „I u d e n s ch w i n d e l" überschriebenen Notiz ^Schwindel, Raffiniertheit und unlauteren Wettbewerb" vorwirst. Herr Leonhardt ist weder der Abstammung noch der Religion nach Jude. — Wer hat nun geschwindelt? I. B. Stettin. In antisemitischen Blättern wurde der Vorfall natürlich ganz anders dargestellt. Da hieß es wörtlich: „Ein hiesiger angesehener und geachteter Kaufmann hatte sich in Begleitung eines Assessors und eines Landschaftsmalers in das Caf 6 Central, genannt Cass „Jerusalem", begeben und daselbst an einem Tische Platz genommen, neben dem sich eine größere Judengesellschaft bereits niedergelassen hatte. Durch eine geringfügige Veranlassung entstand ein Wortwechsel; die Makkabäer erhielten von den drei Gästen die geeignete Abweisung, und erklärten hierauf, die Herren verklagen zu wollen. Die Gäste wollten ihre Gläser wieder füllen lassen, aber der Kellner erklärte, ihnen Bier nicht mehr verabfolgen zu dürfen. Die erstaunten Herren ließen den Wirth rufen, um aus dessen Munde dieselbe Botschaft zu hören, gingen dann von dannen u. s. w. u. s. w. — Wie mag wohl der angesehene und geachtete Kaufmann heißen, dessen Betragen den Wirth zu solchem energischen Vorgehen veranlaßte? D. M.) Köln. Der amerikanische Antisemitismus ist auf einen engen Kreis beschränkt; in der Verwaltung macht er sich dort nicht fühlbar. Zum nordamerikanischen Konsul in Buenos Ayres wurde der Rabbiner Dr. Meyer in Charlestown erannt. K. M. Frankfurt a. M. Unsere Ihnen im Briefkasten des Novemberhefts (S. 580) mitgetheilte Ansicht, daß Karlsbad noch lange nicht antisemitisch verseucht sei, hat inzwischen Bestätigung gefunden. Der Karlsbader Bürgermeister Schäffler hat sich beeilt, sich und die Stadtvertretung von dem „Verdachtdes Antisemitismus" zureinigen. Er erklärte der Rücktritt des einzigen jüdischen Mitgliedes desStadtraths sei in seiner Abwesenheit erfolgt; er habe anläßlich dieser Sache im Stadtkollegium „in der eindringlichsten Weise vor einem Hervortreten des Antisemitismus gewarnt und um die Mitwirkung aller besonnenen und patriotischen Bürger, sowie der Lokalpresse zur Aufrechterhaltung des Friedens ersucht". Es seien übrigens auch von 36 Mitgliedern des Kollegiums 7 Israeliten, und dem Turnverein gehörten nur ein Stadtverordneter und drei bis vier Ersatzmänner an, einige andere seien „alte Herren", als solche aber ganz ohne Einfluß auf den Verein. Auch habe man sofort in der Sitzung, in der jener jüdische Stadtrath ausgeschieden, einen neuen