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Im deutschen Reich · 1897-12-01 · Heft 12 (Dezember 1897) · p. 648

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 12 (Dezember 1897)
Article
L. L. Berlin
Date
1897-12-01
Page
648 (sequence 2)
Language
German
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IRI
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648 Im deutschen Reich. genossen in öffentlichen Vertrauensstellungen. Die ängstliche Zurückhaltung der Juden schützt nicht vor Angriffen der Antisemiten — man denke an Sachsen oder Hannover —; gerade auf politischem Gebiete ist viel mehr die offene Bekämpfung der erste Schritt zur Befferung unserer Zustände. Das klägliche Ende des „Sturmes auf's rothe Haus"" in Berlin beweist, wie sehr wir Recht haben. V. K. Berlin. Aus Anlaß des 80. Geburtstages Theodor Mommsens schreibt die „Staatsbürger-Ztg." am 30. November: „Unvergänglichen Ruhm hat sich der greise Gelehrte durch seine Erforschung der Geschichte des alten Roms erworben. Vieler Völker Wesen und Charakter hat er dabei mit scharfer Feder geschildert, und in der ersten Auflage seiner Römischen Geschichte, da konnte man von den Juden lesen, daß sie „dasFerment der Dekomposition derVölker" sind. DiesesArgument fehlt leider in den späteren Auflagen, vielleicht hat er das Opfer seiner Ueberzeugung bringen müssen, weil er auch einmal freisinniger Abgeordneter gewesen ist." — Mit dieser mißverstandenen Aeußerung Mommsenü werden die Antisemiten anscheinend noch lange hausieren gehen! B. K., Berlin. Wir haben beide Inserate mit aufrichtiger Betrübniß gelesen. Wenn im „Fränkischen Courier" unter der Ueberschrift „ I s r a e l i t i s ch e H e i r a t h " für einen Fabrikbesitzer eine Lebensgefährtin mit der Bemerkung gesucht wurde, daß Damen, in deren Familie ein kleiner Makel, nicht ausgeschloffen seien^ und wenn in der „Voss. Ztg." „Herren in gesicherter Existenz" aufgefordert wurden, bei der Bewerbung um „eine Dame aus f e i n st e r m o s a i s ch e r Familie" sogleich ihre Mindestansprüche zu stellen, so war es nicht zu verwundern, wenn antisemitische Blätter zu solchen Inseraten wohlfeile Gloffen machten. Wir wiederholen, was wir Ihnen auf Ihre Anfrage wegen der beiden „mosaischen Kavaliere"^ November-Heft antworteten: „Dieses schmähliche Inserat scheint ein Machwerk irgend eines Spaßvogels zu sein, da man von Mitinhabern großer Berliner Firmen weder die knauserige Form des Jnserirens, noch diese an den Nennstall erinnernde Sprache gewöhnt ist. Sollte diese Voraussetzung irrig und das Inserat ernst gemeint sein, dann allerdings würden wir es als einen Segen der antisemitischen Bewegung betrachten, daß der in anderen Beziehungen bedauerliche gesellschaftliche Boykott den Juden den allzu häufigen Verkehr mit jenen Leuten erschwert, deren Kavaliersbegriffe es häufig genug zulassen, Abstammung und Religion als gleichgültige Dinge zu behandeln, um fich durch eine Geldheirath von leichtsinnig gehäuften Schuldenlasten zu befreien."

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