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Im deutschen Reich · 1897-12-01 · Heft 12 (Dezember 1897) · p. 647

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 12 (Dezember 1897)
Article
A. B., Berlin
Date
1897-12-01
Page
647 (sequence 2)
Language
German
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Briefkasten der Redaktion. 647 ziehen oder höher zu stellen. Aber Sie werden sicherlich meine Empfindungen Lheilen, wenn ich erstaunt frage: Macht sich ein jüdischer Vorsänger um das VolkSwohl mehr verdient als christlich.deutsche Lehrer? Es ist noch nicht allzulange her, da konnte man häufig Volksschullehrer unter der Liste der Dekorirten mit dem Allgemeinen Ehrenzeichen ausgezeichnet finden. Aber seitdem ein Mal eine derartige Auszeichnung mit Entschiedenheit abgelehnt und diese Thatsache höheren Orrs bekannt geworden ist, habe ich Volksschullehrer erfreulicher Weise nicht mehr in der Gemeinschaft von Feldhütern, herrschaftlichen Kutschern rc. „ausgezeichnet" gefunden. Ich selbst stamme aus dem Lehrerstande und weiß daher nur zu genau, welch' ungeheuren Einfluß ein tüchtiger Lehrer nicht allein auf die Jugend, sondern auf alle Kreise eines Orts ausübt, so daß eben nicht mit Unrecht — es war ja wohl vom alten Moltke — gesagt wurde: „Unsere Schlachten hat der deutsche Schulmeister geschlagen!" Von jüdischen Lehrern wird wohl kein einsichtsvoller Mensch eine derartige erfolgreiche sozial-politische Arbeit erwarten, denn das Endziel jüdischer Arbeit ist unser Untergang. Eine solche Auszeichnung nun, wie sie dem jüdischen Kantor und Vorsänger zu Theil geworden ist, — i ch mißgönne sie ihm persönlich durchaus nicht —muß nach meiner Meinung unter den christlichen deutschen Lehrern Verstimmung und Verbitterung Hervorrufen, und davon haben wir nachgerade übergenug. Bemerken möchte ich nur noch, daß es mir von Herzen fern gelegen hat, etwa eine Willensmeinung des Kaisers irgendwie kritisieren zu wollen. Bemerken Sie den feinen Schluß — ein Rückzug, würdig eines Tenophon! Als ob der ganze Brief etwas anderes wäre als eine bittere Kritik einer kaiserlichen Willensmeinung! Beliebt es dem Monarchen einmal einen jüdischen Kantor höher zu ehren, wie «inen „sozial-politischen" Mitarbeiter der „Staatsbürger-Ztg.", so verfällt auch er sofort dem „freien Meinungsaustausch" der letzteren — der sich gellend macht, natürlich vorsichtiger Weise „ohne eine kaiserliche Willensmeinung" kritisieren zu wollen 2. L. Berlin. Die „Freisinnige Zeitung" behauptete kürzlich bei Gelegenheit einer Zeitungspolemik, daß den Kandidaturen jüdischer Politiker aus den Wahlkreisen heraus gerade von jüdischer Seite oft entgegengearbeitet werde, weil man fürchte, den Antisemitismus durch solche Kandidaturen wachzurufen. Sollte von jüdischer Seite diese Ansicht wirklich vertreten werden, so könnten wir sie nicht billigen. Nichts scheint uns besser geeignet, die Voruriheile zu widerlegen, auf denen der Antisemitismus beruht, als die Bewährung unserer Glaubens-

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