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Im deutschen Reich · 1897-12-01 · Heft 12 (Dezember 1897) · p. 640

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 12 (Dezember 1897)
Article
Heidelberg
Date
1897-12-01
Page
640 (sequence 2)
Language
German
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640 Im deutschen Reich. er will sich taufen lassen! Wir können uns nicht der Ueberzeugung erwehren, daß hier wie in den meisten Fällen die Bereitwilligkeit, sich taufen zu lasten, lediglich M i t t e! z u m Zweck ist. Wir sind überzeugt, daß der 39jährige galizische Jude schon jetzt manche Annehmlichkeit in Folge seiner Bekehrungslust genosten hat; und wie angenehm wäre es, gleich in ein warmes Nest zu kommen, nachdem man die Sträflingsjacke ausgezogen hat! Der betreffende Geistliche ist sicherlich erfüllt von dem besten Willen und der Pflicht seines Berufes, das Christenthum weiter zu verbreiten, aber giebt es denn nicht genügend arme, brodlose Menschen unter unseren deutschen Mitbrüdern, für die es eher am Platze wäre, ihnen Stellungen zu besorgen, in denen sie für sich und ihre Familie ihr tägliches Brod erwerben könnten?" Mainz, 1. Dezember. Von Koblenz aus, wo Ahlwardt am 26. November mit einem 30 Pfennig-Vortrag einen Heiterkeitserfolg und ein leidlich gutes finanzielles Resultat erzielte, nahm der „Rektor aller Deutschen" sich die Freiheit, um die Einräumung der hiesigen Stadthalle zur Abhaltung einer Versammlung einzukommen. Die Mainzer städtische Kommission hat ihm aber die Stadthalle kurzweg verweigert. <j> Wien, 1. Dezember. In der Generalversammlung der „Union" berichtete der ehemalige Abg. Dr. Bloch über die von dem bekannten antisemitischen Abg. Schneider im Neichsrathe erwähnte Entführung des kleinen S ch e s t a k durch den vagierenden Kellner G r ü n f« I d. vr. Bloch betonte, daß auf den Klang des Namens Grünfeld hin sofort ein Blutmärchen verbreitet wurde, obgleich Grünfeld weder Jude ist, noch von jüdischen Eltern stammt, was zweifellos dem Abg. Schneider bekannt war, als er seine Interpellation einbrachte. vr. Bloch übernahm auch die Verantwortung für die Behauptung, daß Gesinnungsgenosten Schneider's unter einer Decke mit Grünfeld gespielt, welcher den kleinen Schestak auf Anstiften Wiener antisemitischer Agitatoren entführt habe, damit diese Gelegenheit hätten, „den Juden «ins zu versetzen", wie dies auch bei der Tisza-Eszlarer Affäre gemacht worden sei. — Dem jüdischen Generalstabsarzt Dr. ,M i ch a e l W a l d st e i n ist der Adelstand mit dem Beinamen Edler v. d. Heilswehr verliehen worden. — Der Hausbesorger des Gersthofer Schloßparkes, welcher den Schriftsteller Chiavacci und besten Gattin mit antisemitischen Schimpfworten belegt hatte, wurde zu vierzehntägiger mit Fasten verschärfter Arreststrafe verurtheilt. <3j> Prag, 1. Dezember. Die „Bohemia" entnimmt der CeskL Sträz folgende Mittheilung: „In Chrudim gab es einen czechischen

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