Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1897)
- Article
- Breslau
- Date
- 1897-12-01
- Page
- 633 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 638 Oblaten der feuchten Kirchenräume hat Ferdinand Cohn ein für alle Male die Ursache des Aberglaubens .der Hostienschändung aufgeklärt. Q Jauer, i. Dezember. Bei den letzthin hier stattgehabten Stadtverordnetenwahlen der 3. Abtheilung vermochten die Antisemiten auf ihre Kandidaten nur wenige Stimmen zu vereinigen. Das hiesige „Stadtblatt" schrieb darüber: „Das aus den Herren Schloske, Springer, Adler, Eisermann bestehende antisemitische „Komitee" hat entgegen der von dem Bürgerverein aufgestellten Liste Männer in Vorschlag gebracht, ohne sich vorher deren Zustimmung hierzu einzuholen, ob sie auch gewillt sind, von ihnen eine Kandidatur anzunehmen. Dieselben sind daher sehr entrüstet über jene antisemitischen Herren und verspüren durchaus keine Lust, sich mit jenem Kleeblatt in einen Topf werfen zu lassen." — Die hiesige Stadtverordnetenwahl der ersten Abtheilung vervollständigte die Niederlage der Antisemiten. Der angeblich von „vielen Wählern" — die erste Wahlabtheilung zählt überhaupt nur 35 Wähler — empfohlene antisemitische Wagenfabrikant Schloske erhielt nicht einmal eine einzige Stimme. X Königshütte O.-2., .1. Dezember. Bei der jüngsten Anwesenheit des Kaisers in unserer Stadt am 12. v. M. wurde mit den übrigen Geistlichen auch Rabbiner Dr. Goldschmidt empfangen und in ein Gespräch gezogen. Dabei erkundigte sich der Kaiser nach den hauptsächlichsten Berufsarten der hiesigen jüdischen Gemeinde- .mitglieder und bemerkte, daß er bei der kurzen Rundfahrt durch die Feststraße auch an der Synagoge vorbeigekommen sei. In Nürnberg habe er die Synagoge besucht, welche einen sehr guten Eindruck bei ihm zurückgelassen habe. Lissa, 2. Dezember. Auf Schaufenster-Dekorationen ist unter allen Umständen gerade in der jetzigen Zeit besondere Sorgfalt zu verwenden, wenn man sich nicht ernsten Unannehmlichkeiten aussetzen will. Hier hatte der Kaufmann Lippmann Leipziger am Tage der Hundertjahrfeier die Büste Kaiser Wilhelms I. in sein Schaufenster so aufgestellt, daß der Kaiser mit Rock und Beinkleid aus dem Geschäft des Herrn Leipziger angethan erschien. Leipziger wurde darauf wegen „Groben Unfugs" verurtheilt, legte aber Berufung ein und wurde freigesprochen! Die Berufung des Staatsanwalts ist von dem Ober-Landesgericht verworfen worden. Ostrowo, 1. Dezember. Der hiesige Männer-Turnverein, dessen Ehrenmitglied unser Landrath, Kammerherr Freiherr von Lützow ist, veranstaltete am 24. November im Schützenhause eine Theatervorstellung zum Besten des Kaiser Wilhelm-Denkmals. Diese