Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 11 (November 1897)
- Article
- Jüdischer Volks- und Hauskalender für das Jahr 1898 [Rezension]
- Date
- 1897-11-01
- Page
- 582 (sequence 2)
- Language
- German
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582 Im deutschen Reich. Mendelssohn zur Feier der Siege von Roßbach und Leuthen, sowie für den Festgottesdienst aus Anlaß der Beendigung des siebenjährigen Krieges schrieb, aber durch die Oberrabbiner verlesen ließ, im Jahre 1797 zuerst jüdische Predigten in hochdeutscher Sprache und zwar in Breslau gehalten sind. Es sind Trauerreden auf den Tod Friedrich Wilhelm II. Lehrreich und unterhaltend wie dieser Aufsatz ist auch der von N. S a m t e r verfaßte, „Judenthum und Proselytismus". Die Mittheilungen über die energische und erfolgreiche Missionsthätigkeit der Juden unter den Heiden bis zu der schrecklichen Verfolgung unter Hadrian, ebenso wie die Thatsache, daß sich auch in den Jahrhunderten, in denen der Uebertritt zum Judenthume mit dem Tode bestraft wurde, Christen fanden, die trotz der sie erwartenden Verfolgungen Juden wurden, wird sicher viele Leser überraschen. 0. Die Verjungung des Liberalismus. Ein Beitrag zur Beleuchtung der inneren deutschen Politik von Dv. Martin Berendt. Berlin, Zolki, ohne Jahr. 80. 93 S. Mit Recht würde man sich wundern, wenn wir dies unserer Zeitschrift zur Rezension übersandte Buch in seinen wichtigsten Ausführungen anerkennend oder ablehnend besprechen würden. Nimmt doch unser Verein und ebenso das von ihm herausgegebene Blatt prinzipiell zu der Frage „konservativ" oder „liberal" nicht Stellung, und noch weniger haben wir selbstverständlich Anlaß, das Wort zu ergreifen, wenn sich Bestrebungen gellend machen, eine politische Partei zu Aenderungen in ihrer Auffassung von solchen Fragen zu bewegen, welche mit der Bewahrung der uns gesetzlich ertheilten Bürgerrechte und mit der Beseitigung der an ihnen ungesetzlich vorgenommenen Beschränkungen in keinerlei Zusammenhänge stehen. So kann auch hier auf die von Berendt zur „Verjüngung des Liberalismus" gemachten Vorschläge — er wünscht Annahme und Durchführung eines kräftigen sozialpolitischen Reformprogramms — nicht eingegangen werden. Dagegen dürfen wir den Anlaß der Zusendung dieser Schrift an uns wohl dazu benutzen, kräftig dagegen Einspruch zu erheben, daß die „Staatsbürger-Zeitung" den Verfasser einen „gelehrigen Schüler des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens" nennt. Sie führt es auf unseren Einfluß zurück, daß Berendt bei Schilderung der Ursachen des Rückgangs der liberalen Partei gelegentlich bemerkt, daß der Antisemitismus „für das allgemeine Staatswohl verderblich" ist. Das brauchte er aber von uns wahrlich nicht zu lernen; denn darauf ist schon lange vor dem Bestehen unseres