Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1897)
- Article
- G. R. Berlin
- Date
- 1897-10-01
- Page
- 524 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316624-2316634--03143-2321319- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
524 Im deutschen Reich. jüdische „intelligente Proletariat" gehört nun zum größten Theil zu den „wissenschaftlichen Leuchten" der Sozialdemokratie; der Vergleich dieser „Intelligenzen" mit den „talmudisch gebildeten" Schnorrern ist nach dieser Richtung zwar unbeabsichtigt aber sehr wirkungsvoll." -— Den Kommentar zu dieser Bemerkung machen Sie sich gefälligst selbst! V. L. Berlin. Die „I u d e n n a m e n" überschriebene Notiz des antisemitischen Agrarierblattes „Deutsche Tageszeitung" legen Sie ruhig ad acta curiosa! Ob sich Bejach, Bendit, Besas, Brilles, Elkes, Relken, Peirels u. s. w. germanische Namen zulegen oder nicht, hat wirklich geringe Bedeutung. Daß gewisse Judennamen ungern getragen werden, ist erklärlich und entschuldbar, wenn man in Erwägung zieht, daß Antisemiten wie Liebermann,Bodeck, Hirschel, Wolf-Breslau, Rosenthal-Hannover u. A. m. diese Namen bei den Juden beständig in Mißkredit bringen. V. K. Berlin. Die unter der Überschrift „Freier Meinungsaustausch" in der „Staatsb.-Ztg." vom 19. September gegen den jüdischen Inhaber eines Galanterie- und Lederwaarengeschäfts am Oranienburger Thor gerichteten Vorwürfe sind ungerechtfertigt. Daß die betreffenden Scherz-Artikel „unsittlichen Zwecken dienen", ist jedenfalls eine unrichtige Behauptung, denn wäre dies , der Fall, so würden dieselben nicht nur von diesem jüdischen Geschäftsinhaber, sondern von sehr zahlreichen christlichen Geschäftsinhabern nicht öffentlich ausgestellt werden dürfen. Derselbe Passant, welcher diese Scherzartikel sowie die früher dort ausgehängten „pikanten Bilder" anstößig fand, hätte mindestens seinen Tadel auch gegen die weit anstößigeren Chimay-Bilder richten sollen, die in den Fenstern nichtjüdischer Geschäfte mit und ohne Streifenhülle vorhanden sind, oder auch an der geschnitzten Fratze auf einem Stuhle, der, am Eingang eines antisemitischen Restaurants in der Friedrichstraße stehend, nicht nur bei den vorübergehenden zahlreichen Juden, sondern bei jedem anständigen Christen Aergerniß erregt. Derartige Schaustellungen wirken sicher nicht minder verrohend als das „Spritzkind". G. G. Berlin. Das prächtigste Pröbchen antisemitischer „Reklame" war in der „Staatsb. Ztg." vor einigen Wochen unter der Rubrik „Freier Meinungsaustausch" zu finden, für welche Rubrik die Redaktion vorsichtig genug ist, „dem Publikum gegenüber keine Verantwortung zu übernehmen". Am 7. September war dort ein langer Brief abgedruckt, in welchem der angebliche schlechte Ruf Berlins dem Judenthum in die Schuhe geschoben wird und schließlich