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Im deutschen Reich · 1897-10-01 · Heft 10 (Oktober 1897) · p. 516

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 10 (Oktober 1897)
Article
Myslowitz
Date
1897-10-01
Page
516 (sequence 2)
Language
German
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616 3m deutschen Reich. heute im Laufe des Vormittags hier an, um der Einweihung derneuen Synagoge beizuwohnen. Nach einem weihevollen Abschied vom alten Gotteshause ordnete sich vor diesem der Festzug. dem sich Der-- treter der königlichen Behörden und die vollzählig erschienenen Mitglieder, des Magistrats und der Stadtverordnetenschast. anschlossen. Während» des Festzuges, der sich durch die mit Ehrenpforten, Ranken und Fahnen geschmückten Straßen nach der neuen Synagoge hin bewegte, waren nicht nur die jüdischen sondern auch die christlichen Geschäfte geschlossen. Nachdem der Erbauer der Synagoge, Regierungsbaumeister Grünfeld,, den vergoldeten Schlüssel zu dem Haupteingang derselben dem ersten-. Vorsteher Isaak Kuznicki übergeben hatte, ersuchte dieser den Bürger-' meister Odersky mit diesem Schlüssel die Pforten des Tempels zu öffnen. Der Bürgermeister genügte diesem Wunsche mit zu Herzen gehenden Worten, und bald darauf begann der Festgottesdienst, der einen überaus feierlichen Verlauf nahm. Abends 6^Uhr fand in. Grunwalds Hotel ein Festessen statt, an welchem circa 150 Personen theilnahmen, darunter hohe Beamte, die Geistlichkeit der anderen Kon-- feffionen und andere christliche Mitbürger. <b> Posen, 1. Oktober. Verschiedene Zeitungen haben kürzlich' berichtet, daß das Kuratorium derRohr'schenStiftung zur Unterstützung jüdischer Handwerker in der Provinz Posen beschloffen habe, in Ermangelung von Bewerbern die Zinsen des Stistungskapitals von 200 000 Mk. anderen Zwecken, zuzuführen. Die Juden hätten keine Lust, Handwerker zu werden,, obwohl sie in diesem Falle erhebliche Unterstützungen. zu erwarten, hätten, wurde von antisemitischen Blättern hämisch hinzugefügt.. Thatsächlich aber liegt die Sache ganz anders! Die Rohr'sche Stiftung, zur Ausbildung von Handwerkern hat nicht alle Juden im Auge,, sondern nur die Gemeinden I a r ot s chi n , welches gegen 80 Familien zählt, und B o j a n o w o , welches etwa 20 Familien enthält, deren bedürftige Jugend dem Handwerk zugeführt werden und etwas Tüchtiges auf diesem Gebiet lernen soll. Die jüdische Gemeinde Posen ist dabei wohl auch bedacht worden, aber aus Gründen, die nicht hierher gehören, nur spärlich. Für Jarotschin ist in erster Reihe ein beträchtlicher Grundfonds ausgesetzt, für Posen nur eine kleine Summe, so daß die Zinserträge für die Zahl der Bewerber nicht ausreichen. Anders stellt sich natürlich das Verhältniß in dem kleinen Jarotschin, aber auch dort fehlt es niemals an Lehrlingen, von denen gegenwärtig zwei die Klempnerei, einer die Schneiderei, einer die Uhrmacherei erlernt. Auch Jarotschiner Mädchen wurden in dieser Weise erwerbsfähig gemacht; von diesen lagen immer zahlreiche Gesuche vor. Dem.

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