Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1897)
- Article
- Breslau
- Date
- 1897-10-01
- Page
- 515 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Korrespondenzen. 516 Trotzdem nur durch Karten eingeladen war, füllte sich der große Saal bis auf den letzten Platz, sogar im Nebenzimmer waren Zuhörer, ein Beweis für das beginnende Interesse an der Judenfrage. Der Referent, Kaufmann Hirschfeld, legte in längerer Rede die Ziele und Zwecke des Zionistenkongresies und der zionistischen Bewegung dar und forderte zum Schluß eine Sympathiekundgebung. an den Kongreß. Sodann schilderte Rabbiner Dr. Finkel die traurige Lage der Juden aller Orten und bat um eine Resolution im Sinne des Referenten. Cand. jur. Posener präzisirte seinen Standpunkt dahin, daß er kein Zionist, aber auch kein Feind der zionistischen Bewegung sei. Er begrüße die Versammlung freudig als die erste jüdische (nicht antisemitische), die in Breslau sich mit der Judenfrage beschäftige. Er bitte vor allem keine Diskussionen über die Zionistenbewegung anzustellen, da er sonst deren alleinseligmachendes Wirken — wie es von den Vorrednern als Axiom aufgestellt war — durch den Hinweis auf die Zwecke, Ziele und Erfolge des .„C e n t r a l v e r e i n s deutscher Staatsbürger südlichen Glaubens" und auf die BreslauerStudentenbewegung (Diadrina) sehr leicht in Frage stellen könne, besonders was Deutschland betreffe. Er wolle aber nicht mit der Scheidung der feindlichen Brüder beginnen, sondern mit ihrer Sammlung und beantrage daher die Gründung eines Rede- und Diskutierklubs, welcher sich ausschließlich mitder Juden frage beschäftige. Diese Gründung wurde im Sinne des Posener'schen Vorschlags beschlossen und bestimmt, daß eine Versammlung innerhalb 8 Tagen einberufen werden sollte. — Am 29. August d. I. fand dieseVersammlung in demselben Lokal unter dem Vorsitz des eand. jur. Paul Posener statt. Es wurde folgende Tagesordnung angenommen: 1. Zweck des Vereins. 2. Einsetzung einer Kommission zur Erledigung der Vorarbeiten. 3. Zeitpunkt der ersten Vereinssitzung. Nach längerer Debatte wurde die von dem Vorsitzenden vorgeschlagene Fassung angenommen: Zweck des Redeu n d D i s k u t i e r k l u b s i st die Sammlung aller derjenigen Elemente, welche Interesse an der Judenfrage haben. Der hierauf gewählten Kommission wurden folgende Materien zur Bearbeitung übergeben: 1. Geschäftsordnung und Statuten, Name des Vereins, 2. Systematisierung des Arbeitsfeldes, 3. Materialsammlung und Agitation. Die erste Versammlung wurde in die Woche nach den letzten Tagen des Laubhüttenfestes gelegt. Myslowitz, 10. September. Hunderte von Frenzen kamen 34*