Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 9 (September 1897)
- Article
- L. G. Frankfurt a. M.
- Date
- 1897-09-01
- Page
- 460 (sequence 2)
- Language
- German
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460 Im deutschen Reich. — Die angebliche Aeußerung H e r z fe l d s, des früheren Theil- Habers der dortigen MaschinenbauanstalL Hausen u. Herzfeld „Es giebt heut zu Tage viele jüdische Richter!" ist so unsinnig und widerspricht so sehr den thatsächlichen Verhältnissen, daß jeder Unbefangene der Versicherung Herzfelds Glauben schenken wird, daß er diese Aeußerung nicht gethan habe! D. Z. Hamburg. Wenn auf dem Verbandstage deutscher Lohnfuhrunternehmer Ihr Mitbürger Louis Lewy thatsächlich Berlin als die Stadt bezeichnet hat, von der „das Gift der Sonntagsruhe in das Land gestreut worden ist", so müssen auch wir eine solche Auslassung als empörend betrachten — nicht aus dem von der „Kreuzzeitung" angegebenen Grunde, „weil wir in einem christlichen Staate leben", sondern weil die Sonntagsruhe ein Ausfluß der in der Bibel gebotenen Sabbathruhe ist! L. I., München. Die Lektüre des urwüchsig bajuvarischen Sigl'schen Blattes „Das Bayerische Vaterland" bereitet uns trotz der darin enthaltenen Schimpfereien und des sich darin kundgebenden Preußenhasses mitunter auch Vergnügen. Am 18. Juli fanden wir folgende Notiz: „1673 wurde die Hochzeit der ältesten Tochter der Jüdin Glücke! von Hameln mit dem Sohne des brandenburgischen „Hofagenten" Elia Gomperz zu Cleve mit außerordentlicher Pracht gefeiert. Der Jude Gomperz stand bei dem „großen Kurfürsten" Friedrich Wilhelm „wegen der vorzüglichen Dienste, die er ihm als Lieferant von Waffen, Geschützen und Pulver geleistet", in so großem Ansehen, daß er ihn sogar mit einer diplomatischen Mission nach Holland betraute. Hochzeitsgäste in Cleve waren u. A. der Prinz Friedrich (nachmaliger Kurfürst Friedrich III. und König Friedrich I. in Preußen) sowie der Statthalter des Herzogthums Cleve, Fürst Moritz von Dessau. „Der junge Prinz", heißt es, „sammt Fürst Moritz und alle Vornehmen sind gar »vergnügt hinweggegangen, und kein Jude hat seit hundert Jahren solche Ehre gehabt". Die Vorliebe für Israel ist also am Berliner Hofe schon was Altes. On revient toujours ä 868 Premiers amours". — Schade, daß der bayerische Abgeordnete Dr. Sigl kein Prophet ist! M. L. Dresden. Daß der dortige christliche Fleischermeister Israel die Geburt eines Sohnes mit den Worten anzeigte: „Ein kleiner Israelit ist angekommen: Annenstraße 29", ist ein harmloser Witz. Sollte der wackere Fleischermeister einmal etwas Schlimmeres begehen, dann machen ihn die Dresdner Antisemiten sicher ihrer Gepflogenheit gemäß seines Namens wegen selbst zum Israeliten!