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Im deutschen Reich · 1897-09-01 · Heft 9 (September 1897) · p. 447

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 9 (September 1897)
Article
Aschenhausen
Date
1897-09-01
Page
447 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 447 Waldung, einen guten Viehbestand, die landwirthschastlichen Geräthe und die diesjährige Ernte. Zu den drei Erben gehörte auch ein 32 Jahre alter geistesschwacher Sohn, welcher auf dem Hof des Vaters -mitwirthschaftete, während die beiden anderen Erben auf andern Höfen verheirathet sind. Die oben genannten drei Brüder Katzen st ein schuldeten nun dem verstorbenen Haberkorn 50 Mk., welche der geistesschwache Sohn am 13. d. M. in Aschenhausen abholen wollte. Kaum war er in der Wohnung des Max K a tz e n st e i n , als auch eiligst die beiden anderen Brüder erschienen, den Bauern auf einen Stuhl in ihrer Mitte nöthigten, Haus- und Stubenthür abschlossen, so daß sie niemand stören konnte, und begannen nun dem beschränkten Menschen sein Erbtheil abzuschwindeln. Zuerst machte man ihm Angst, die Uebernahme und Auseinanderlegung seines Erbtheils koste mindestens 600 Mk., wo er die hernehmen wolle; auch könne er sein Anwesen ja garnicht allein verwalten, es würde zurückgehen rc., er möge es doch an die Gebr. Katzenstein verkaufen für 6000 Mk. (Werth etwa 18 bis 20 000 Mk.), von den Zinsen könne er fein leben. Der Beschränkte erklärte wiederholt, daß er nichts verkaufe, und wollte fortgehen, aber die Juden drückten ihn immer wieder gewaltsam auf den Stuhl, boten 6500 Mk. und setzten dem Bedauernswerthen solange zu, bis er ganz verwirrt war und einen schon bereit gehaltenen Vertrag unterschrieb, worin er sein ganzes Erbtheil, bewegliches und unbewegliches, für 0000 Mk. abtrat. Schon am andern Tage boten die Juden das Ergaunerte dem Bruder des Betrogenen an, welcher nun, über seinen verhängnißvollen Schritt aufgeklärt, in Angst nach Meiningen zu Verwandten flüchtete und sich das Leben nehmen wollte. Der Mann ist so beschränkt, daß ihm sein Vater jedes Kleidungsstück rc. hat kaufen müssen, da er es selbst nicht konnte; er kennt garnicht recht den Werth des Geldes; denn er hat nie mehr als 30 Pfg. Biergeld alle Sonntag von seinem Vater erhalten. Nunmehr wird das Entmündigungsverfahren eingeleitet und hoffentlich auch der Vertrag für ungiltig erklärt werden. Nachdem nun schon gerichtliche Schritte gethan worden sind, scheinen die Juden nachgeben zu wollen; hoffentlich spricht aber der Staatsanwalt auch noch ein Wort. Bauer, hüte dich vor den Juden!" — Die Staatsanwaltschaft beim Landgericht Eisenach hat diesem Wunsche genügt, aber bald darauf, am 28. Juli, den Gebrüdern Katzenstein mitgetheilt, daß sie die Einstellung des anhängig gewesenen Verfahrens verfügt habe. Dem Landwirth Gustav Haberkorn wurde dies gleichzeitig mit der nachstehenden Bemerkung eröffnet: „Nach Ihren, dem Herzgl. Amtsgericht in Wasungen gegenüber am 26. d. Nits, gemachten Angaben ist in keiner Weise ersichtlich, daß

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