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Im deutschen Reich · 1897-09-01 · Heft 9 (September 1897) · p. 445

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
3 (1897)
Issue
Heft 9 (September 1897)
Article
Bremen
Date
1897-09-01
Page
445 (sequence 2)
Language
German
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Korrespondenzen. 445 entschlossen. Zu einer Abstimmung kam es nicht, da Niederösterreich seinen Antrag im letzten Augenblick zurückzog. EU Lübeck, 21. August. Ein junger Mann wurde hier gelegentlich eines Wortwechsels „Antisemit" genannt, fühlte sich dadurch beleidigt und strengte deshalb Klage gegen seinen Gegner an. Der Termin vor dem hiesigen Amtsgericht ist. bereits angesetzt. -f- Braunschweig, 21. August. Der aus dem Leuß-Prozeß, bekannte antisemitsche Agitator Dr. Schnutz aus Hannover hatte s. Zt. vonn dem hiesigen Kaufmann Th. Wulff, der 13- Antheile k 200 Mk. von der durch Schnutz gegründeten Kalibohr- Gesellschaft Güttingen besaß, die schriftliche Anfrage erhalten, wo das Vermögen dieser Gesellschaft geblieben sei. Die darauf von Schnutz erhobene Beleidigungsklage endete mit der Freisprechung Wulffs durch das Schöffengericht, worauf Schnutz Berufung einlegte, welche das hiesige Landgericht gestern unter Verurtheilung des Schnutz in sämmtliche Kosten des Verfahrens verworfen hat. In der Begründung, wurde gesagt, daß in dem inkriminirten Briefe weder subjektiv noch, objektiv beleidigende Aeußerungen gefunden seien. Es gehe aus demselben lediglich die Ansicht des Briefschreibers hervor, daß Dr. Schnutz nicht an die Spitze des Unternehmens paffe, weil er die Interessen der Theilnehmer nicht wahre. Dieses auszusprechen, sei W.'s gutes Recht gewesen. — Aus Celle wurde berichtet: Der antisemitische Agitator Hans Leuß, welcher im hiesigen Zuchthause seine Strafe verbüßt, hatte vor etwa 6 Wochen ein Gnadengesuch eingereicht und, da dasselbe: von allen in Frage kommenden Personen befürwortet worden, festdarauf gerechnet, in diesen Tagen entlassen zu werden. Das Gesuch, soll jedoch abschläglich beschieden worden sein.' 6 München, 15. August. Den Haupttheil der Verhandlungen der hier stattgehabten 5. Konferenz der R a b b i n e r B a y e rns bildeten Fragen über die Festsetzung eines Normallehrplanes für'die israelitische Religionslehre an den Mittelschulen. Eine Kommission wurde zur Herstellung eines Lehrbuches für israelitische Religions-- lehre an den Mittelschulen eingesetzt. Nürnberg, 3. September. Der Kaiser und die Kaiserin haben heute mit dem Prinz-Regenten und der Prinzessin Ludwig die hiesige Synagoge besichtigt. Dabei erkundigte sich der Kaiser eingehend nach den Verhältnissen der hiesigen israelitischen Gemeinde und erwähnte, daß er auch die Synagoge in Prag gesehen habe. Bei. dem Verlassen der Synagoge gaben der Kaiser und der Prinz-Regenü dem Rabbiner Dr. Ziemlich die Hand.

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