Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1897)
- Article
- L. J. München
- Date
- 1897-07-01
- Page
- 396 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- chapter
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316624-2316632--02841-2320914- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Odesa 1× ep/1000834
OCR text
396 Im deutschen Reich. -Neuesten Nachrichten, den ungeheuerlichen Ausspruch gethan haben, Centrum und Judenthum seien inseinen Augen einerlei, er scheue weder die Centrumsnoch die Judenpresse. Als er Juden als Vermittler brauchte, dachte er weniger verächtlich von ihnen. Auch als Mitarbeiter des deutsch-freisinnigen Fränkischen Couriers in Nürnberg brachte er sich in nahe Nachbarschaft zu den „Juden". Natzinger scheint vergessen zu haben, daß die Bauernbündler vor zwei Jahren ihn selbst als „Judenfreund" beschimpften." — Wie es mit der „Judenfreundschaft" Natzingers beschaffen war, hat der Gerstenlieferungsprozeß, welcher sich kürzlich in Schweinfurt abspielte (S. Heft 6 S. 342), deutlich gezeigt. A. B. Dresden. In dem offenen Sprechsaal der „Deutschen Wacht" warnt man unter der Spitzmarke „Unlauterer Wettbewerb" vor der Marktschreierei einer Anzug- und Paletotstoffe anbietenden Görlitzer Firma, „die weder fabrizirt noch eigene Werkstätte besitzt" und vor einer Spremberger Firma, die von 301 Dessins ihrer Kollektion nur 21, „über deren Werth nicht gesprochen werden soll", als ihr eigenes Fabrikat zu bezeichnen wage. Es handelt sich in beiden Fällen um keine jüdischen Firmen. Das Gesetz wider den unlauteren Wettbewerb wird vielen reellen jüdischen Geschäften zu statten kommen; tatsächlich ist es schon manchem Genossen derjenigen Partei fühlbar geworden, welche dasselbe als Agitationsmittel verwerthen zu können glaubte. G. H. Leipzig. Einen hübschen Beitrag zu dem Thema „Die Kriminalität der Juden" hat die „Antisemitische Korrespondenz" des Abg. Liebermann von Sonnenberg geliefert. Der letztere konnte für die stehende Rubrik „Israel im Konflikt mit den Strafgesetzen" für die am 17. Juni ausgegebene Nummer nur drei Fälle auftreiben und diese waren aus Odessa, Warschau und Krakau. C. G. Chemnitz. Der von den Antisemitenblättern als „berüchtigter Kehlabschneider" bezeichnete Inkassogeschäfts-Inhaber Robert A u g u st Roth in Schönau bei Chemnitz, der wegen 24 Rückfallsbetrügereien am 15. Juni zu 9 Jahren Zuchthaus verurtheilt wurde, ist in Reichenbach i. Vogtlande als Sohn eines Färbereibesitzers geboren. Daß' das religiöse Bekenntniß der Verurtheilten nur bei Juden angegeben wird, entspricht einem nicht sehr wohlwollenden alten Gebrauchthum, dessen Fortbestand aber während der jetzigen antisemitischen Bewegung zu wünschen ist, weil dadurch die günstigen Ziffern der „Kriminalität der Juden" jedem Unbefangenen auffallen.