Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1897)
- Article
- C. L. Breslau
- Date
- 1897-06-01
- Page
- 350 (sequence 2)
- Language
- German
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350 Im deutschen Reich. deutschen, insbesondere jüdischen Turner ihren Reihen fern und würden sich sämmtliche Angehörige dieses Gaues gedemüthigt fühlen, wenn sie bei einem deutschen Kreisturnfeste Schulter anSchulter mitJuden turnen müßten oder garmit solchen geselligen Verkehr zu pflegen hätten. Nachdem im Grundgesetze des Egerland - Turngaues der reindeutsche Standpunkt (arische Mitgliedschaft) bestimmt ist, fühlt sich der gefertigte Gauturnrath veranlaßt, die gesinnungsverwandten Vereine zu bitten, allen ihren Einfluß dahin geltend zu machen, daß das Kreisturnfest in Reichenberg nicht von Juden beschickt und mit Ausschluß aller sonstigen nichtdeutschen Kreise zu einem deutschen Volksfeste, wie es die Einladung des deutschen Turnvereins in Neichenberg verspricht, gestaltet wird." D. M., Hannover. Die „Hann. Post" schreibt: „Vier Herren Speier betreiben an der Packhofstraße ein Schuhgeschäft. Als Inhaber stehen am Schaufenster zu lesen: Julius, Bernhard, Hermann, Moritz Speier, im Handelsregister werden aber Isaak, Baruch, Hermann, Moses Speier als Inhaber genannt. Eigenthümlich, daß Juden so oft bestrebt sind, ihre richtigen Namen zu verdecken. Warum nur??" — Wahrscheinlich, damit einem gewissen Gift-Speier der Stoff nicht ausgeht! 8. M. Hamburg. Fahren Sie ruhig nach Marienbad. Die „Neue Freie Presse" veröffentlichte am 6. d. M. folgende Erklärung: „Da in letzter Zeit eine Agitation gegen mich eingeleitet wurde, dahin gehend, P. T. Gäste israelitischer Konfession von meinem Etablissement ferne zu halten, sehe ich mich zu der Erklärung veranlaßt, daß ich jeglicher antisemitischen Strömung fern stehe, und muß ich alle gegentheiligen Ausstreuungen als böswillige Erfindung bezeichnen. Joseph Hanslik, Besitzer des Etablissements „W a l d m ü h l e" in Marienbad. 8. Z. München. Als Antwort verweisen wir Sie darauf, daß das Stöckerblatt „Volk" am 29. Mai d. I. folgende sarkastische Notiz brachte: „Für die Dichter unter unseren Lesern! Die Zeitung „Zion" hat einen Preis von 500 Francs für die beste jüdische Nationalhymne ausgeschrieben. Einlieferungszeit bis 15. Juni d. I. Die Betheiligung aus dem Leserkreise des „Volk" wird zweifellos eine rege sei n." Sie sehen also, wer Anlaß zum Anstimmen von Jubelhymnen zu haben glaubt! A. V. Dresden. Der Schachmeister W. Steinitz ist Jude. .Als er vor längerer Zeit in der Moskauer Nervenheilanstalt festgehalten wurde, sagte er eines Tages spottend zu dem ihn behandelnden Irrenarzt: „Behandeln fie mich wie einen Juden und — weisen Sie mich aus."