Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 3 (1897)
- Issue
- Heft 6 (Juni 1897)
- Article
- G. G. Berlin
- Date
- 1897-06-01
- Page
- 349 (sequence 2)
- Language
- German
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Briefkasten der Redaktion. 349 Jahrganges unserer Vereinszeitschrift vom Oktober 1896. Dort wurde von uns bereits mitgetheilt, daß der fahnenflüchtige Einjahrig-Freiwillige Karl Schmuhl vom Garde-Train-Bataillon der Sohn eines christlichen Ehepaares in Mecklenburg sei. Den antisemitischen Blättern ist sicher unsere damalige Notiz nicht unbekannt geblieben. Trotzdem hat die Staatsbürger-Ztg. am 28. Mai d. I. durch einen „W i e d e r Einer" überschriebenen Bericht den Versuch zuerst verblümt wiederholt, den desertirten „Schmuhl" zum Juden zu stempeln, dann aber am 30. Mai sogar von dem „wenig deulungsfähigen Namen und der Race" des Schmuhl phantasirt, weislich aber von der Religion des Deserteurs geschwiegen! Ferner hat sie, was übrigens auch der „Reichsbote" und die „Deutsche Wacht" gethan, den Zufall, daß im Börsen-Courier in Folge eines Druckfehlers der Deserteur falsch bezeichnet war, zu der Andeutung benutzt, daß dort absichtlich statt „Schmul" „Schmal" gesetzt worden sei. Der Mann heißt aber weder „Schm u l" noch „Schm a l" sondern „S ch m u h l" und ist weder Jude, noch jüdischer Abstammung. R. S. Magdeburg. Der wegen Fahnenflucht und leichtsinnigen Schuldenmachens zu 9 Monaten Gefängniß verurtheilte bisherige Einjahrig-Freiwillige vom 3. brandenburgischen Train-Bataillon Frankel stammt nicht wie der Deserteur Schmuhl von christlichen Eltern, sondern hat sich — wie s. Z. ein Antisemitenblatt berichtete — getauft, um Offizier zu werden. Durch die Versetzung in die zweite Klasse des Soldatenstandes hat er nun auch sogar die Berechtigung zum Einjährig-Freiwilligen-Dienst verloren und muß nach Verbüßung der Strafe noch volle zwei Jahre nachdienen. C. L. Breslau. Wohin die auch in turnerischen Kreisen betriebene antisemitische Wühlerei führt, zeigt der neueste Aufruf des Gauturnrathes des Egerland-Turngaues. In diesem Aufruf wird gesagt: „Durch die Aufnahme des Egerland-Turngaues in den 15. Kreis wurde den ihr Vereinsleben auf arischer Grundlage gestaltenden Turnvereinen die Mitarbeit im Rahmen der deutschen Turnerschast nicht versagt, womit (leider!) die Berechtigung judenfreier Vereine in dieser Körperschaft anerkannt wurde. Heuer findet nun das 7. Kreisturnfest des 14. Kreises in Reichenberg statt, und hält es der Egerland-Turngau für angezeigt, dahin zu wirken, daß die Theilnahme von N i ch t d e u t s ch e n, von allen Juden, an demselben vermieden und es so den auf arische ^Grundlage fußenden Turnvereinen möglich gemacht wird, an diesem Feste theilzunehmen. Die Vereine des Egerland-Turngaues halten alle Nicht-